2.8.2005, 13:11 Uhr
Taumeln der Erde bewirkte Warmzeit

Vor gut 125.000 Jahren lagen die Sommertemperaturen in Deutschland um bis zu zwei Grad Celsius höher als heute. Zu diesem Schluss kommen Bonner, Hamburger und Berliner Klimaforscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Ihr Vergleich von Pflanzenfossilien und Computersimulationen lässt vermuten, dass Veränderungen von Erdbahn und -neigung die Ursache des ungewöhnlichen milden Klimas waren.

Thomas Litt von der Universität Bonn und seine Kollegen analysierten fossile Pflanzenreste von 48 Fundorten in Europa. "Wir finden häufig an ein und derselben Fossillagerstätte Pflanzenreste wie Früchte, Samen oder Blütenstaub von über zehn verschiedenen Arten", erläutert der Paläobotaniker. Da jede dieser Pflanzen ihre speziellen Standortansprüche habe, "können wir daher Wahrscheinlichkeitsaussagen über das Klima ableiten und somit ziemlich genau die damaligen Temperaturen rekonstruieren."

Diese Analyse ergab, dass während der Eem-Warmzeit nördlich der Alpen im Sommer ein bis zwei Grad höhere Sommertemperaturen herrschten. Die Winter in Westeuropa waren dagegen ein bis zwei Grad kälter als heute, während sie in Skandinavien und Osteuropa deutlich wärmer waren - in Finnland um mehr als fünf Grad.

Ganz ähnliche Resultate lieferten Berechnungen mit einem Klimamodell, nachdem dieses mit den Daten zur Erdbahn und zur Neigung der Polachse zur Zeit des Eem gefüttert worden war. Die Parameter ändern sich, indem die Erde wie ein Kreisel um ihre Drehachse taumelt und ihre Bahn um die Sonne regelmäßig elliptischer und wieder kreisrunder wird. Die gute Übereinstimmung zwischen den Resultaten der beiden Methoden bestätigt nach Ansicht der Forscher den starken Einfluss, den dieser kosmische Tanz der Erde auf das Klima hat.


Forschung: Norbert Kühl und Thomas Litt, Institut für Paläontologie der Universität Bonn; Frank Kaspar und Ulrich Cubasch, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg, und Institut für Meterologie, Freie Universität Berlin; und andere

Veröffentlicht in Geophysical Research Letters, Vol. 32(11), L11703, DOI 10.1029/2005GL022456

WWW:
Institut für Paläontologie, Uni Bonn
MPI für Meterologie
Milanković-Zyklen
Nächste Eiszeit kommt spät - oder gar nicht
Was die Eiszeit in Gang setzte

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.