26.9.2005, 15:40 Uhr
Kohlendioxid bringt Korallen in Bedrängnis
Die steigende Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre könnte sich negativ auf die ohnehin bereits angeschlagenen Korallenriffe auswirken. Darauf weisen Experimente zweier amerikanischer Wissenschaftler hin. Mehr Kohlendioxid scheint demnach die Machtverhältnisse zwischen den Korallen und ihren einzelligen Algensymbionten zu verschieben - zum Nachteil ersterer.
"Indem das Meer Kohlendioxid aufnimmt, kommt es zu messbaren Veränderungen der Chemie des oberflächennahen Meerwassers", erläutert Chris Langdon von der University of Miami. Einen ungebremsten Ausstoß vorausgesetzt, "dürften sich die Kohlendioxid-Konzentration und damit der Säuregrad des Meerwassers in den nächsten 50 bis 100 Jahren verdoppeln oder verdreifachen. Umso wichtiger ist es, die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die marinen Ökosysteme zu verstehen."
Langdon und sein Kollegen Marlin Atkinson vom Hawaii Institute of Marine Biology, Kaneohe, ließen Korallen in Meerwasser wachsen, in dem sie die Konzentration gelösten Kohlendioxids auf das Doppelte des gegenwärtigen Werts erhöht hatten. Ein Teil des Kohlendioxids reagiert mit dem Wasser zu Hydrogencarbonat bzw. Carbonat, welches einerseits die Algensymbionten für ihre Photosynthese und andererseits die Korallen für die Abscheidung ihres Kalkskeletts benötigen.
Mit steigendem CO2-Gehalt scheint die Symbiose zwischen Korallen und Algen aus den Fugen zu geraten, berichten Langdon und Atkinson im "Journal of Geophysical Research". In dem mit CO2 angereicherten Wasser sank die Wachstumsrate des Korallenskeletts um gut 50 Prozent, während die Photosyntheserate der Algensymbionten anstieg. Der Effekt der Meereserwärmung infolge des Treibhauseffekts sei bei den Versuchen nicht berücksichtigt worden, erläutert Langdon. "Da viele Korallen bereits an der Grenze ihrer Temperaturtoleranz wachsen, wird eine weitere Erwärmung ihr Wachstum zusätzlich bremsen."
Forschung: Chris Langdon, Rosenstiel School of Marine & Atmospheric Science, University of Miami, Florida, und Marlin J. Atkinson, Hawaii Institute of Marine Biology, Kaneohe
Veröffentlicht in Journal of Geophysical Research - Oceans, Vol. 110, C09S07, DOI 10.1029/2004JC002576
WWW:
Marine Biology and Fisheries, University of Miami
Hawaii Institute of Marine Biology
Riffe.de
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