26.9.2005, 12:14 Uhr
Winterkinder werden häufiger 105

Im Winter geborene Menschen können mit höherer Wahrscheinlichkeit ihren 105. Geburtstag feiern als solche, die im Frühjahr das Licht der Welt erblickt haben. Das haben Rostocker Bevölkerungsforscher ermittelt. Für Dezemberkinder liegt die Wahrscheinlichkeit demnach gut 16 Prozent über, für Junikinder dagegen 23 Prozent unter dem Durchschnitt.

Der neue Befund unterstreiche die Bedeutung der ersten Lebensjahre für die weitere gesundheitliche Entwicklung, erklären Gabriele Doblhammer von der Universität Rostock und ihre Kollegen vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung. Die Forscher präsentieren ihre Resultate im Fachblatt "Experimental Gerontology" und im Magazin "Demografische Forschung".

Für ihre Studie konnte die Gruppe auf Informationen des Bundespräsidialamts zurückgreifen. Der Bundespräsident sendet Personen vom 105. Geburtstag an Gratulationsbriefe. Doblhammer und ihre Kollegen analysierten nun Daten über 925 Empfänger solcher Schreiben in den Jahren 1989 bis 2002. Geboren in den Jahren 1881 bis 1898, haben diese "Supercentennarians" nicht nur die hohe Säuglingssterblichkeit am Ende des 19. Jahrhunderts überstanden, sondern auch zwei Weltkriege.

Der Vergleich mit Daten aus Dänemark zeigte, dass die Lebenserwartung mit der Säuglingssterblichkeit nach dem Geburtsmonat korreliert, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand. Eine Ursache für dieses Muster scheinen saisonal auftretende Infektionskrankheiten im Verein mit Nichtstillen bzw. Abstillzeitpunkt zu sein: So erlitten in der wärmsten Jahreszeit nicht oder nicht mehr gestillte Kinder häufiger Magen-Darm-Infekte, die ein Großteil von ihnen nicht überlebte. Und auch eine überstandene Infektion zog ein höheres Risiko für chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter nach sich.


Forschung: Gabriele Doblhammer, Lehrstuhl für empirische Sozialforschung, Institut für Soziologie, Universität Rostock; Rembrandt D. Scholz und Heiner Maier, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Vorab-Veröffentlichung Experimental Gerontology, DOI 10.1016/j.exger.2005.07.012; Demografische Forschung, Vol. 2(3), September 2005

WWW:
Lehrstuhl für empirische Sozialforschung, Uni Rostock
MPI für demografische Forschung
Demografische Forschung
Bundespräsidialamt
Im Sommer Geborene bekommen weniger Kinder
"Geburtstagswetter" prägt Gesundheit in späteren Jahren

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