28.9.2005, 13:27 Uhr
Frühe massereiche Galaxie entdeckt

In jeder Hinsicht eilig hatte es eine Galaxie, die eine europäisch-amerikanische Astronomengruppe entdeckt hat. Schon kurz nach der Entstehung des Universums war die Galaxie auf eine Masse angewachsen, die heutigen Pendants zur Ehre gereichen würde. Doch nicht minder rasch scheint sie jegliche weitere Aktivität eingestellt zu haben.

"Diese Galaxie scheint erstaunlich schnell Materie angehäuft zu haben, binnen weniger Hundert Millionen Jahre nach dem Urknall", so Bahram Mobasher von der Europäischen Weltraumagentur ESA und dem Space Telescope Science Institute in Baltimore, Maryland. "Sie besaß achtmal mehr Sternenmasse als unsere Milchstraße heute. Und dann hörte sie plötzlich auf, neue Sterne zu bilden. Sie scheint vorzeitig gealtert zu sein."

Hubble- und Spitzer-Aufnahmen der Galaxie und daraus kombiniertes Bild

Die Galaxie im sichtbaren (oben links) und im infraroten Licht, unten ein aus den Einzelaufnahmen erstelltes Bild. Bilder: NASA, ESA, B. Mobasher (STScI & ESA) / NASA, ESA and R. Hurt (Spitzer Science Center)

Entdeckt wurde die Galaxie neben 10.000 anderen im "Hubble Ultra Deep Field" - einem winzigen Himmelsausschnitt im Sternbild Ofen (Fornax), auf den das Weltraumteleskop Hubble insgesamt eine Million Sekunden lang gestarrt hatte. Ihr Licht stammt aus einer Zeit, als das Universum nur etwa 800 Millionen Jahre alt war. Daher hatten Mobasher und Kollegen zunächst vermutet, es handle sich um eine relativ junge und kleine Galaxie. Die Überraschung kam, als das Weltraumteleskop Spitzer mit seinen leistungsfähigeren Infrarotkameras ebenfalls eine besonders tiefe Aufnahme der Region lieferte.

Die vermeintliche Baby-Galaxie ist demnach so leuchtkräftig, dass es sich tatsächlich um einen stattlichen Teenager handeln muss. "Selbst für heutige Verhältnisse wäre sie ziemlich groß. Und zu jener Zeit [...] war sie nichts weniger als gigantisch", erläutert Mark Dickinson vom National Optical Astronomy Observatory in Tucson, Arizona. Auch ließen die Beobachtungsdaten die Vermutung zu, dass die Galaxie in ihrem Zentrum ein supermassives Schwarzes Loch beherberge. Damit nährten sie Zweifel an der Theorie, große Galaxien entständen nach und nach durch die Verschmelzung kleinerer Galaxien. Zumindest in der Frühzeit des Universums scheine es auch große Sterneninseln aus einem Guss gegeben zu haben.


Forschung: Bahram Mobasher und Henry C. Ferguson, Space Telescope Operations Division, European Space Agency, und Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland; Mark Dickinson, National Optical Astronomy Observatory, Tucson, Arizona

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