30.8.2005, 14:18 Uhr
Wann die Antarktis einfror
Die Antarktis liegt heute inmitten einer gewaltigen ringförmigen Strömung, die sie gegen wärmere Breiten abschirmt. Dieser Zirkumpolarstrom scheint früher eingesetzt zu haben als bislang vermutet, hat eine britisch-deutsche Forschergruppe ermittelt. Schon vor 50 Millionen könnte sich die Drakestraße zwischen Südamerika und Antarktis geöffnet haben - mit Folgen auch für das globale Klima.
Nach geologischen Maßstäben hätten sich die beiden Kontinente sehr rasch voneinander getrennt, erläutert Roy Livermore vom British Antarctic Survey in Cambridge. "Unserer Schätzung nach geschah dies zehn bis zwanzig Millionen Jahre früher als bislang angenommen." Damit übereinstimmende Resultate habe die Untersuchung uralter Einzeller-Kalkschalen erbracht. Demnach habe vor 50 Millionen Jahren eine merkliche Abkühlung der Erde eingesetzt.
Livermore und Kollegen analysierten Daten über ein regelrechtes Fischgrätenmuster am Grund des Weddellmeeres - südlich des mittelozeanischen Rückens zwischen südamerikanischer und antarktischer Kontinentalplatte gelegen. Die wechselnde magnetische Orientierung des Meeresbodens fungiert wie ein Fahrtenschreiber, anhand dessen sich die Bewegung der Kontinentalplatten nachvollziehen lässt.
Unglücklicherweise fehlen entsprechende Spuren nördlich des Rückens, auf dessen südamerikanischer Seite, da der Meeresboden hier rasch wieder in den Erdmantel abtaucht. Mit einer modifizierten Analysetechnik konnten die Forscher dennoch das Auseinanderdriften der beiden Platten rekonstruieren.
Bis vor etwa 50 Millionen Jahren bewegten sich südamerikanische und antarktische Platte demnach in Nord-Süd-Richtung auseinander, schreiben Livermore und Kollegen im Fachblatt "Earth and Planetary Science Letters". Dann schwenkten sie in Richtung Westnordwest-Ostsüdost um, gleichzeitig stieg ihre Geschwindigkeit relativ zueinander auf das Achtfache. Indem das Plattenmaterial wie ein Kaugummi in die Länge gezogen wurde, könnte sich bereits ein flacher Seeweg geöffnet haben, vermuten die Forscher. Und spätestens vor 34 bis 30 Millionen Jahren dürfte auch dem tiefen Antarktischen Zirkumpolarstrom nichts mehr im Wege gestanden haben.
Forschung: Roy Livermore, Adrian Nankivell und Peter Morris, British Antarctic Survey, Cambridge; Graeme Eagles, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven
Veröffentlicht in Earth and Planetary Science Letters, Vol. 236(1), pp 459-70, DOI 10.1016/j.epsl.2005.03.027
WWW:
British Antarctic Survey
Alfred-Wegener-Institut
- Meeresströmungen
Entwicklung der Kontinentalverteilung
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