1.9.2005, 10:59 Uhr
Schnellster Pulsar auf Fluchtkurs

Den bislang schnellsten Pulsar hat eine amerikanisch-britische Astronomengruppe entdeckt. Rund 7.700 Lichtjahre von der Erde entfernt, rast die Sternleiche mit über 1.000 Kilometern pro Sekunde durch das All. Damit wird sie unsere Milchstraße über kurz oder lang verlassen, berichten die Forscher im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters".

Massereiche Sterne beschließen ihr Leben in Form einer Supernova. "Wir wissen, dass Supernova-Explosionen den resultierenden Neutronensternen einen regelrechten Tritt geben können", erläutert Shami Chatterjee vom National Radio Astronomy Observatory in Socorro, New Mexico. "Die enorme Geschwindigkeit dieses Objekts bringt uns jedoch an die Grenzen unseres derzeitigen Wissens."

Grafik: Der Weg des Pulsars über den Nachthimmel

Sein Weg hat den rasenden Pulsar in den letzten 2,5 Millionen Jahren über ein Drittel des Sternenhimmels geführt. Grafi: Bill Saxton, NRAO/AUI/NSF

Chatterjee und Kollegen nutzten das Very Long Baseline Array, eine Tausende Kilometer überspannende Kette großer Radioteleskope, um den Pulsar B1508 55 zu beobachten. Indem der Neutronenstern sich rasch um die eigene Achse dreht, sendet er regelmäßig Strahlungspulse gen Erde. Anhand dieser Pulse vermaßen die Forscher, wie sich die Position des Pulsars am Nachthimmel scheinbar veränderte, indem die Erde um die Sonne zog. Aus diesem Parallaxen-Effekt konnten sie die Entfernung des Objekts und damit seine absolute Geschwindigkeit quer zur Sichtlinie berechnen.

B1508 55 ist demnach mit etwa 1.083 Kilometern pro Sekunde unterwegs. Heute in den höheren Breiten der Milchstraße anzutreffen, entstand der Pulsar vermutlich vor zweieinhalb Millionen Jahren in der Milchstraßenscheibe, in einer Gruppe riesiger Sterne im Sternbild des Schwans. Sein gewaltiger Impuls geht möglicherweise auf eine asymmetrische Supernova-Explosion und die Schwerkraft seiner massereichen Vettern zurück, spekulieren Chatterjee und Kollegen.


Forschung: Shami Chatterjee und Walter F. Brisken, National Radio Astronomy Observatory, Socorro, New Mexico, und Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; Wouter H.T. Vlemmings, Jodrell Bank Observatory, University of Manchester, und Department of Astronomy, Cornell University, Ithaca, New York; und andere

Veröffentlicht in Astrophysical Journal, Vol. 630, 1. September 2005, L61-4

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