30.8.2005, 11:54 Uhr
Demenzen durch verringerte Hirndurchblutung

Die Blutversorgung des Gehirns könnte bei der Entwicklung von Demenzen eine stärkere Rolle spielen als bislang angenommen. Entsprechende Resultate präsentieren niederländische Mediziner im Fachblatt "Radiology". Bei dementen Senioren fließt demnach deutlich weniger Blut zum Gehirn als bei Altersgenossen mit uneingeschränkter geistiger Leistungsfähigkeit.

Das Gehirn setzt etwa ein Drittel der Stoffwechselenergie des Körpers um. Dementsprechend geht ein großer Teil der Demenzen auf eine verringerte Versorgung des Hirns mit Sauerstoff und Nährstoffen zurück. Aart Spilt und seine Kollegen vom Universitätsklinikum Leiden glauben nun, dass die Bedeutung der Durchblutung für die Entstehung von im hohen Alter auftretenden Demenzen noch unterschätzt wird.

Die Mediziner untersuchten 17 Männer und Frauen jenseits des 75. Lebensjahres mit Altersdemenz, 16 Gleichaltrige mit optimaler kognitiver Leistungsfähigkeit und 15 gesunde, junge Erwachsene. Per Magnetresonanz-Bildgebung vermaßen sie nicht nur die Gehirne der Teilnehmer, sondern auch den jeweiligen Blutfluss. Erwartungsgemäß war die Gehirndurchblutung bei den älteren Teilnehmern insgesamt niedriger als bei den jungen Teilnehmern (496 bzw. 742 Milliliter pro Minute). In der Gruppe der dementen Senioren war sie jedoch nochmals merklich geringer als bei den nicht betroffenen Senioren (443 bzw. 551 Milliliter pro Minute).

Gleichzeitig fanden sich bei den dementen Senioren mehr und ausgeprägtere Hinweise auf eine Schädigung der weißen Substanz. In der Kombination aus zusätzlich verringerter Durchblutung und stärkerer Gehirnschädigung sehen Spilt und Kollegen "einen starken Hinweis darauf, dass eine verringerte Hirndurchblutung selbst Gehirnschäden hervorruft". Umso wichtiger sei es, ältere Personen mit zu hohem oder zu niedrigen Blutdruck sorgfältig im Auge zu behalten, so der Mediziner.


Forschung: Aart Spilt, Mark A. van Buchem und Rudi G.J. Westendorp, Afdeling Radiologie und Algemene Inwendige Geneeskunde, Leids Universitair Medisch Centrum; und andere

Veröffentlicht in Radiology, Vol. 236, pp 990-5, DOI 10.1148/radiol.2363041454

WWW:
Radiologie, Uniklinikum Leiden
Kompetenznetz Demenzen

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