5.9.2005, 13:44 Uhr
Galaktischer Wasserstoff kartiert

Die Milchstraße badet regelrecht in 1,4 Millionen Grad Celsius heißem Wasserstoff. Die genaue Verteilung dieses Plasmas zeigt eine Karte, die Bonner Astronomen gemeinsam mit niederländischen und argentinischen Kollegen erstellt haben. Ihre Untersuchung gibt Aufschluss über die galaktische Umgebung und stellt gleichzeitig einen Prüfstein für kommende Beobachtungen dar.

Wasserstoff ist das leichteste und häufigste Element im Universum. Im sichtbaren Licht kaum nachweisbar, sendet Wasserstoff Radiowellen mit einer Wellenlänge von 21 Zentimetern aus. Peter Kalberla von der Universität Bonn und seine Kollegen nutzten zwei große Radioteleskope in den Niederlanden und Argentinien, um den kompletten Nord- und Südhimmel nach dieser 21-Zentimeter-Linie zu durchmustern.

Karte der Wasserstoff-Verteilung in der Milchstraße

Copyright Radioastronomisches Institut der Universität Bonn

Ihre jetzt im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" vorgestellte Karte zeigt hohe Wasserstoff-Dichten in der Ebene der Milchstraße, in höheren Breiten dagegen niedrigere Dichten. In dem heißen, ionisierten Gas "schwimmen" wiederum kleine Flocken neutralen Wasserstoffs. "Was den Datensatz besonders wertvoll macht, ist seine hohe Messempfindlichkeit", erläutert Kalberla. Dank drastisch reduzierter Bildfehler könnten die Daten daher auch als Referenz beispielsweise für das 100-Meter-Radioteleskop in Effelsberg dienen.

"Für uns ist die 21cm-Linie unter anderem deshalb so interessant, weil sie Aufschluss über die Verteilung und Bewegung des interstellaren Mediums gibt", so der Radioastronom weiter. Je nachdem, ob sich der Wasserstoff auf den Beobachter zu oder von ihm weg bewegt, verschiebt sich die Linie aufgrund des Dopplereffekts zu kürzeren oder längeren Wellenlängen. Und je heißer und damit turbulenter das Gas ist, desto stärker "verschmiert" erscheint sie.


Forschung: Peter M.W. Kalberla, Radioastronomisches Institut der Universität Bonn; W. Butler Burton und Dap Hartmann, Sterrewacht Leiden und National Radio Astronomy Observatory, Charlottesville, Virginia; Wolfgang G.L. Pöppel, Instituto Argentino de Radioastronomia, Villa Elisa; und andere

Veröffentlicht in Astronomy & Astrophysics, Vol. 440, September 2005, pp 775-82, DOI 10.1051/0004-6361:20041864

WWW:
Radioastronomisches Institut, Uni Bonn
- Die galaktische LAB-H I-Durchmusterung
Sterrewacht Leiden
Instituto Argentino de Radioastronomia

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