9.8.2005, 18:47 Uhr
Einschläge halfen dem Leben auf die Sprünge
Meteoriteneinschlägen haftet ein negatives Image an. Zu Unrecht, glauben ein kanadischer Geologe und seine Kollegen. Gerade die häufigen und schweren Einschläge in der Frühzeit der Erde könnten durchaus positive Folgen gehabt haben, indem sie lebensfreundliche Umgebungen schufen.
"Die meisten Leute verbinden Einschläge mit Massensterben", erläutert Gordon Osinski. Der Geologe von der Canadian Space Agency in Saint-Hubert, Québec, und seine Kollegen studierten den 24 Kilometer weiten Haughton-Krater in der kanadischen Arktis, als sie auf Überreste uralter hydrothermaler Röhren mit Durchmessern im Meterbereich stießen. "Das ließ uns erstmals über die biologischen Konsequenzen nachdenken", so Osinski weiter.
Der Boden im Haughton-Krater ist durch Eisen stellenweise rötlich gefärbt. Foto: Courtesy of Gordon Osinski/Canadian Space Agency
Auf einer Fachtagung in Calgary präsentiert die Gruppe nun die Resultate ihrer jüngsten Studien. Als vor 23 Millionen der Haughton-Meteorit in die Erdkruste raste, schuf er demnach nicht nur einen imposanten Krater. In dem zerschmetterten Gestein entstand ein System heißer Quellen, aus denen einige zehntausend Jahre lang bis zu 250 Grad Celsius heiße Gase und Flüssigkeiten austraten. Neben Wärme und Mineralien boten die zahlreichen Risse und Klüfte im Gestein zudem reichlich Lebensräume für Mikroben. Und da das geschockte Gestein relativ lichtdurchlässig ist, könnten auch Photosynthese betreibende Organismen profitiert haben.
Gerade in polnahen Gefilden "sind Einschlagorte letztlich lebensfreundlicher als ihre Umgebung", erklärt Osinski. Vielleicht seien die Anfänge des Lebens auf der Erde vor etwa 3,8 Milliarden Jahren nicht zufällig mit einem regelrechten Bombardement durch Meteoriten einhergegangen. Derart alte Krater seien zwar längst verschwunden. Die Spuren jüngerer "Krater-Opportunisten" sollten jedoch gut zu lesen sein: In Einschlagkratern bildeten sich häufig Seen, deren Sedimente ein regelrechtes Archiv geologischer und biologischer Prozesse darstellten. Ähnliches könnte vielleicht auch für den Mars gelten.
Forschung: Gordon Osinski, Space Sciences, Canadian Space Agency, Saint-Hubert, Québec; Charles Cockell, Planetary and Space Sciences Research Institute, Open University, Milton Keynes; Pascal Lee und Darlene Lim, NASA Ames Research Center, Moffett Field, Kalifornien
Präsentation auf dem Treffen Earth System Processes 2, Calgary
WWW:
Canadian Space Agency
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