10.8.2005, 19:29 Uhr
Erster Dreifach-Asteroid entdeckt

Ein Planetensystem zwischen den Planeten haben amerikanische und französische Astronomen entdeckt. Wie die Forscher im Magazin "Nature" berichten, wird der Asteroid 87 Sylvia von zwei kleinen Monden umkreist. Vermutlich entstand das Dreifachsystem aus den Trümmern einer Asteroidenkollision.

Vor gut zehn Jahren wurde der erste Mond eines Asteroiden gesichtet, weitere Entdeckungen folgten. Franck Marchis von der University of California in Berkeley und seine Kollegen vom Observatoire de Paris nutzten nun eines der Großteleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile, um sechs dieser kleinen Doppelsysteme über Monate zu beobachten. Zu ihrer Verblüffung erspähten sie bei 87 Sylvia neben dem bekannten "Möndchen" einen weiteren Begleiter.

Illustration: Sylvia und ihre zwei Begleiter

Sylvia und ihre Begleiter. Grafik: ESO

Etwa auf halber Strecke zwischen Mars und Jupiter gelegen, geht es in dem Dreifachsystem sehr "ordentlich" zu: Beide Monde umrunden Sylvia auf kreisrunden Bahnen, die praktisch in der Äquatorialebene des großen Asteroiden liegen, und folgen dabei dessen Eigendrehung. Schätzungsweise 18 bzw. 7 Kilometer groß, halten sie einen Abstand von 1.360 bzw. 710 Kilometern.

Anhand der Infrarotaufnahmen konnten Marchis und Kollegen auch mehr über 87 Sylvia selbst in Erfahrung bringen. Ihre Form erinnert demnach an eine 380 mal 260 mal 230 Kilometer große Kartoffel, die sich vergleichsweise rasant alle 5,2 Stunden um sich selbst dreht. Die Dichte des Asteroiden entspricht lediglich dem 1,2fachen der Dichte von Wasser, sodass er zu 25 bis 60 Prozent aus Hohlräumen bestehen dürfte.

Nach Ansicht der Astronomen entstand der "Geröllhaufen-Asteroid", indem die Schwerkraft Trümmer einer Asteroidenkollision zusammenführte. Auch bei den beiden Monden könnte es sich um Trümmerstücke handeln, so Marchis. "Aufgrund dieser Entstehungsgeschichte gehen wir davon aus, dass weitere Mehrfachsysteme der Entdeckung harren."


Forschung: Franck Marchis, Department of Astronomy, University of California at Berkeley; Pascal Descamps, Daniel Hestroffer und Jérome Berthier, Institut de Mécanique Céleste et Calculs des Éphémérides, Observatoire de Paris

Veröffentlicht in Nature, Vol. 436, 11. August 2005, pp 822-4

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Asteroids
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