10.8.2005, 19:34 Uhr
Astronomen finden "vergessene" Sterne

Die Milchstraße könnte sehr viel größer sein als gemeinhin angenommen. Zu diesem Schluss kommen amerikanische und australische Astronomen nach der Beobachtung einer fernen Galaxie. Weit außerhalb des vermeintlichen Randes der galaktischen Scheibe fanden sie zahlreiche, bislang schlicht übersehene Sterne.

"Dies ist die ausgedehnteste und diffuseste Sternpopulation, die jemals beobachtet worden ist", erläutert Joss Bland-Hawthorn vom Anglo-Australian Observatory in Epping, New South Wales. Damit sei die ferne Galaxie mindestens doppelt so groß wie bisher vermutet. Und daher erscheine es durchaus vorstellbar, dass auch die Scheibe der Milchstraße deutlich weiter sei als die üblicherweise genannten 100.000 Lichtjahre.

Bild: Panoramaaufnahme von NGC 300, darin eingeblendet neue Aufnahmen vom Scheibenrand

Eine 'Panoramaaufnahme' von NGC 300 und neue Aufnahmen ihrer Außenbezirke. Bilder: Anglo-Australian Observatory - David Malin/Gemini Observatory

Bland-Hawthorn und seine Kollegen nutzten das Gemini-Teleskop in Chile, um die Außenbezirke der Galaxie NGC 300 zu studieren. Die meisten Sterne der gut 6,1 Millionen Lichtjahre von der Sonne entfernten Spiralgalaxie liegen in einer dünnen Scheibe. Bei der Auswertung extrem lang belichteter Aufnahmen fanden die Forscher alte und leuchtschwache Sterne in bis zu 47.000 Lichtjahren Abstand vom Zentrum der Galaxie. "Vor einigen Milliarden Jahren waren die Außenbezirke von NGC 300 strahlend helle Vororte, die sich ähnlich gut vor dem Nachthimmel abzeichneten wie das Zentrum", formuliert Bland-Hawthorn.

Die Milchstraße sei sehr viel massereicher und leuchtstärker als NGC 300, so der Forscher weiter. "Daher könnte unsere Galaxis ebenfalls deutlich größer sein als bislang gedacht - vielleicht bis zu 200.000 Lichtjahre im Durchmesser." Rätselhaft sei allerdings, woher derart weit draußen das Rohmaterial für die Sterne gekommen sei und warum die Scheibe von NGC 300 nicht abrupt ende, sondern stetig immer dünner werde.


Forschung: Joss Bland-Hawthorn und M. Vlajić, Anglo-Australian Observatory, Epping, New South Wales; Ken C. Freeman, Mount Stromlo Observatory, Australian National University, Canberra; Bruce T. Draine, Department of Astronomy, Princeton University, Princeton, Kalifornien

Veröffentlicht in Astrophysical Journal, Vol. 629, 10. August 2005, pp 239-49

WWW:
Anglo-Australian Observatory
- Homepage Joss Bland-Hawthorn
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