2.8.2005, 18:52 Uhr
Proteom der Hornhaut durchleuchtet

Nur einen halben Millimeter dick, ist die Hornhaut der Augen entscheidend für das Sehvermögen. Mit welchen molekularen Werkzeugen die Hornhaut ihren Zweck erfüllt, hat eine dänisch-amerikanische Forschergruppe nun entschlüsselt. Erwartungsgemäß dienen die meisten von ihnen gefundenen Proteine einem einzigen Zweck - klare Sicht wahren.

Die Hornhaut fungiert nicht nur als schützende Hülle für das Auge. Auf sie gehen auch gut 70 Prozent der Brechkraft des Sehapparats zurück, während die Linse die Feineinstellung besorgt. "Beschädigungen und Erkrankungen der Hornhaut sind für mehrere Millionen Fälle eingeschränkten Sehvermögens verantwortlich", erläutert Jan Enghild von der Universität Aarhus. "Nach Katarakten sind sie die weltweit häufigsten Ursachen für Erblindung." Die neuen Resultate könnten helfen, die Vorgänge in der Hornhaut besser zu verstehen und gezielt zu beeinflussen, hofft der Forscher.

Mit einem Arsenal unterschiedlicher Techniken fahndeten Enghild und Kollegen nach den in 12 Spender-Hornhäuten enthaltenen Proteinen. Wie sie im Fachblatt "Molecular and Cellular Proteomics" berichten, konnten sie insgesamt 141 Eiweiße identifizieren, von denen 99 niemals zuvor in der Hornhaut gefunden worden waren. Ein großer Teil dieser Proteine, darunter allein 15 verschiedene Keratine, ist für die besondere Bindegewebsstruktur der Hornhaut verantwortlich. Andere dienen der Abwehr von Bakterien und Pilzen, blocken ultraviolette Strahlung ab oder verhindern, dass Blutgefäße in die Hornhaut einwachsen und so die Sicht beeinträchtigen.

Ungeachtet ihrer anspruchsvollen Aufgaben muss sich die Hornhaut daher mit jenen Nährstoffen begnügen, die sie über Tränenfilm und Kammerwasser erhält. Dieses Dilemma spiegelt sich stärker in ihrem Protein-Repertoire wider, als Enghild und Kollegen erwartet hatten. "Überraschenderweise handelt es bei gut 15 Prozent der identifizierten Proteine um klassische Blutproteine", so der Forscher. Die meisten dieser Eiweiße besorgten den Transport von Nährstoffen wie Vitaminen, Eisen und Fetten.


Forschung: Henrik Karring und Jan J. Enghild, Molekylærbiologisk Institut, Aarhus Universitet; und andere

Online-Veröffentlichung Molecular and Cellular Proteomics, Artikel D500003-MCP200

WWW:
Enghild Lab
Bau und Erkrankungen der Hornhaut
Proteom-Analyse

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