3.8.2005, 14:40 Uhr
Inselgesetz für Werkstatt-Bewohner

Ein grundlegendes Gesetz der Ökologie gilt nicht nur für natürliche Ökosysteme, sondern auch für Metallwerkstätten. Das berichten britische Forscher im Fachblatt "Environmental Microbiology". Je größer der Schmiermittel-Tank einer Maschine ist, desto mehr unterschiedliche Bakterien leben darin.

Je größer die betrachtete Fläche ist, beispielsweise eine Insel, desto mehr Arten kann man darauf finden. Erst kürzlich hatten Christopher van der Gast vom Centre for Ecology and Hydrology in Oxford berichtet, dass dieses Gesetz nicht nur für Tiere und Pflanzen gilt, sondern auch für Mikroben in Baumlöchern. Für ihre jetzt veröffentlichte Untersuchung begaben sie sich in die Werkstätten der University of Oxford und machten sich an den dortigen Fräsen und Drehbänken zu schaffen.

Die Maschinen besitzen einen Kreislauf, in dem Flüssigkeit zum Kühlen und Schmieren des jeweiligen Werkzeugs zirkuliert. Van der Gast und Kollegen entnahmen Proben aus den Vorratstanks und analysierten im Labor, wie viele unterschiedliche Genome sie enthielten. Wie im Falle der Baumlöcher, stieg die Artenzahl auch hier exponentiell mit dem Volumen: Während die kleinsten, 9 Liter fassenden Tanks von 9 Bakterienarten bewohnt waren, brachte es der mit 182 Litern größte Tank auf bis zu 23 Arten. Der Exponent lag dabei um 0,26 und entsprach damit ebenfalls dem natürlichen Vorbild.

"Die Werkstatt ähnelt also einem Archipel unterschiedlich großer Inseln, den unterschiedlich großen Schmiermitteltanks", schreiben van der Gast und seine Kollegen. Offenbar würden die Gemeinschaften der kleinsten Lebewesen von den gleichen Mechanismen geprägt wie die größerer Organismen - und das selbst unter "unnatürlichen" Bedingungen. Nach Ansicht der Forscher sollte diese Erkenntnis helfen, Mikroben gezielt für die Produktion einzuspannen.


Forschung: Christopher J. van der Gast, Andrew K. Lilley, Duane Ager und Ian P. Thompson, Environmental Biotechnology Section und Molecular Microbial Ecology Section, NERC Centre for Ecology and Hydrology, Oxford

Veröffentlicht in Environmental Microbiology, Vol. 7(8), pp 1220-6, DOI 10.1111/j.1462-2920.2005.00802.x

WWW:
Centre for Ecology and Hydrology
Species-Area Relationships
Größere Inseln, mehr Bakterien

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