11.8.2005, 20:03 Uhr
Knotige Buchhaltung bei den Inka

Statt Tontafel oder Papyrus bedienten sich die Inka Bündeln von Schnüren, um ihr immenses Reich verwalten zu können. Auf welche Weise mit diesen Khipu Information ausgetauscht wurde, glaubt ein amerikanisches Anthropologenduo herausgefunden zu haben. Für jede Hierarchieebene der Inka-Verwaltung gab es demnach spezielle Khipu, die ähnlich einem Haushaltsbuch fungierten.

"Jede größere antike Zivilisation - Inka, Chinesen, Ägypter, Maya, Azteken oder Mesopotamier - entwickelte ausgefeilte Mittel um den Überblick über ihr riesiges Reich zu behalten", erläutert Gary Urton von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts. Im Falle der Khipu seien vermutlich Meldung über Abgaben und Leistungen der Untertanen erstattet bzw. entsprechende Anweisungen erteilt worden. Urton und seine Kollegin Carrie Brezine präsentieren ihre Schlussfolgerungen im Magazin "Science".

Knotige Summanden: Ein Khipu der untersten Ebene mit sechs Untereinheiten

Knotige Summanden: Ein Khipu der untersten Ebene mit sechs Untereinheiten. Foto: Courtesy of Gary Urton

Das Duo studierte 21 Khipu, die in Puruchuco gefunden worden waren, einem regionalen Inka-Verwaltungszentrum nahe dem heutigen Lima. Jeder dieser Khipu besteht aus einer Kordel, an die zahlreiche weitere Schnüre geknüpft sind. Entfernt an einen textilen Rechenschieber erinnernd, tragen diese Schnüre wiederum Knoten, die üblicherweise als Zahlensymbole gedeutet werden.

Nach Ansicht der Forscher gehören sieben dieser Khipu drei verschiedenen Ebenen an, auf denen detaillierte Information immer stärker zusammengefasst wird. Addierten sie die Werte der Khipus der untersten Ebene, ergaben sich die Werte in einem Abschnitt der Khipus der mittleren Ebene. Deren Summen fanden sich wiederum in einem Abschnitt der Khipus der höchsten Ebene wieder.

Letztere scheinen noch eine Art Adressat bzw. Absender zu tragen, berichten Urton und Brezine. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, lieferten die Khipus und ihr Fundort vielleicht den Ansatzpunkt zum eingehenden Verständnis der "Knotensprache".


Forschung: Gary Urton und Carrie J. Brezine, Department of Anthropology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts

Veröffentlicht in Science, Vol. 309, 12. August 2005, pp 1065-7

WWW:
The Khipu Database Project
Khipu
Museo de Sitio de Puruchuco

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