4.8.2005, 11:44 Uhr
Zahnverschleiß verrät Speiseplan

Feinste Verschleißspuren im Zahnschmelz verraten, welche Art Nahrung die urzeitliche Verwandtschaft des Menschen verzehrte. Das berichten amerikanische Wissenschaftler im Magazin "Nature". Größe und Ausrichtung der Spuren gibt demnach Auskunft darüber, in welchem Maße Hominiden harte Pflanzensamen knackten oder auf Laub herumkauten.

Peter Ungar von der University of Arkansas, Fayetteville, und seine Kollegen analysierten zunächst Backenzähne von Kapuzineraffen (Cebus apella) und Mantelbrüllaffen (Alouetta palliata). Erstere verzehren viel Fruchtfleisch und Pflanzensamen. Als Folge weisen ihre Zähne deutlich komplexere, jedoch weniger stark in eine Richtung orientierte Verschleißmuster auf als die von Mantelbrüllaffen, denen der Sinn eher nach Blättern und anderer zäher Kost steht.

'Geländemodelle' der vier Arten

'Geländemodelle' der Zahnoberflächen von Kapuzineraffen und Mantelbrüllaffen (links) und von Australopithecus africanus und Paranthropus robustus (rechts). Bild: Nature

Ganz ähnliche Verhältnisse fanden die Forscher bei Backenzähnen zweier Hominiden, Australopithecus africanus und Paranthropus robustus, deren 2,8 bis 2,4 bzw. 1,9 bis 1,5 Millionen Jahre alte Überreste in Südafrika entdeckt worden waren. Daher vermuten sie, dass die Speisepläne der Frühmenschen ähnlich denen der Affen gestaltet waren.

Eine deutliche Überlappung in Komplexität bzw. Ausrichtung der beiden Verschleißmuster lässt jedoch vermuten, dass Paranthropus Samen und andere spröde Kost eher als Zubrot nutze, während Australopithecus Nahrung unterschiedlichster Zähigkeit verspeiste - vielleicht sogar Fleisch. Hier dürfte sich das zeitlich und örtlich variierende Nahrungsangebot bemerkbar machen, glaubt Ungar. "Ihre Evolution in Sachen Ernährung ist nicht durch ihre Vorlieben bestimmt, sondern durch Mangel."

Für ihre Analyse fertigten der Anthropologe und seine Kollegen dreidimensionale Mikroskopaufnahmen des Zahnschmelzes an und überführten die Daten in digitale "Geländemodelle". Diese betrachteten sie bei immer feineren räumlichen Auflösungen - gewissermaßen durch eine immer schärfere Lupe - und registrierten, wie viele Furchen und Vertiefungen dabei neu sichtbar wurden. Je sprunghafter dies geschah, desto höher stuften sie die Komplexität des Verschleißmusters ein.


Forschung: Robert S. Scott und Peter S. Ungar, Department of Anthropology, University of Arkansas, Fayetteville; Alan Walker, Departments of Anthropology and Biology, Pennsylvania State University, Philadelphia; und andere

Veröffentlicht in Nature, Vol. 436, 4. August 2005, pp 693-5

WWW:
Dental Microwear, Peter Ungar
The Hall of Human Ancestors
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Hominiden-Zähne zeigen Nahrungsumstellung

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