20.7.2005, 13:03 Uhr
Armut erhöht Sterberisiko

Wer in Deutschland in Armut lebt, weist eine verringerte Lebenserwartung auf. Das haben Berliner Sozialwissenschaftlerinnen herausgefunden. Der Zusammenhang lässt sich jedoch nur teilweise durch Drogenkonsum, Übergewicht und anderen Verhaltensfaktoren erklären.

Für ihre Studie nutzten Ulrike Maschewsky-Schneider von der Technischen Universität Berlin und ihre Kollegen Daten des Lebenserwartungssurvey, erhoben vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Darunter waren Angaben zu 3.497 Männern und 3.200 Frauen im Alter von 31 und 69 Jahren, die im Jahr 1984 zu ihrer sozioökonomischen Lage und zu ihrem Gesundheitsverhalten befragt worden waren.

Bis zum Jahr 1998 waren 616 Männer und 285 Frauen verstorben. Die Datenanalyse ergab, dass das Sterberisiko bei Teilnehmern aus unteren sozialen Schichten im Beobachtungszeitraum mehr als doppelt so hoch war wie bei Teilnehmern aus höheren Schichten. Durch ungünstiges Gesundheitsverhalten, etwa höherer Zigaretten- und Alkoholkonsum, häufigeres Übergewicht, geringere sportliche Aktivität oder seltenere Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, konnte diese höhere Mortalität zum Teil erklärt werden.

"Das Sterberisiko ist aber auch unabhängig vom Gesundheitsverhalten in den unteren sozialen Schichten deutlich erhöht", erläutert Stephan Müters, Mitarbeiter in dem Projekt. Das bedeute, dass Faktoren der materiellen und persönlichen Lebenssituation, etwa Arbeitslosigkeit oder aber der Arbeitsplatz, ebenfalls Einfluss auf das Sterberisiko hätten. Die Resultate zeigten, dass Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention besonders auf sozial benachteiligte Gruppen auszurichten seien und neben dem Verhalten auch die Lebenslage berücksichtigen müssten.


Forschung: Stephan Müters und Ulrike Maschewsky-Schneider, Fachgebiet Gesundheitssoziologie, Institut für Gesundheitswesen der Technischen Universität Berlin; Thomas Lampert, Robert-Koch-Institut, Berlin

WWW:
Homepage der Arbeitsgruppe, TU Berlin
- Projekt objektive und subjektive Gesundheit in Deutschland
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Rauchen und Übergewicht nagen am Erbgut
Optimisten leben länger

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