19.7.2005, 11:18 Uhr
Alte Staubscheibe lässt Astronomen rätseln
Staubscheiben um junge Sterne scheinen nicht immer neue Welten hervorzubringen. Darauf deuten neue Beobachtungen amerikanischer Astronomen hin. Die Staubscheibe in einem fernen Sternsystem hat demnach ein Alter von schätzungsweise 25 Millionen Jahren erreicht und zeigt dennoch keinerlei Anzeichen einer Planetenentstehung.
"Diese Scheibe zu finden ist so, als würde man einen 200 Jahre alten Menschen entdecken", erläutert Lee Hartmann vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, Massachusetts. Den gängigen Theorien zufolge sollten derartige Scheiben binnen weniger Millionen Jahren verschwinden, indem das in ihnen enthaltene Material nach und nach zu Planeten "verklumpe".
So könnte das Binärsystem mit seiner alten Staubscheibe einem fernen Beobachter erscheinen. Illustration: David A. Aguilar (CfA)
Hartmann und seine Kollegin Nuria Calvet nutzten das Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer, um die zirkumstellare Scheibe in Stephenson 34 zu beobachten, einem aus zwei roten Zwergen bestehenden System im Sternbild des Stiers. Ihre Beobachtungen ergaben, dass die Scheibe im Abstand von 100 Millionen Kilometern von den beiden Sternen beginnt und sich mindestens 1,0 Milliarden Kilometer weit ins All erstreckt. Die Altersschätzung beruht auf dem Entwicklungsstand der beiden Sterne und auf dem Erscheinungsbild der Scheibe selbst.
"Wir wissen nicht, warum diese Scheibe derart lang überdauert hat, weil wir nicht wissen, was den Prozess der Planetenentstehung in Gang setzt", beteuert Calvet. Vielleicht werde die Planetenentstehung in der Scheibe verhindert, indem die Schwerkraft der beiden Sterne sie regelrecht durchrühre. Da die Scheibe reichlich Gas enthalte, könnten in der Zukunft aber durchaus noch Riesenplaneten entstehen, glaubt die Astronomin. Ihr Kollege Hartmann sieht das anders: "Im Alter von zehn Millionen Jahren haben die meisten Sterne all das getan, was sie jemals tun werden. Wenn sie bis jetzt noch keine Planeten hervorgebracht haben, werden sie das wohl nie mehr tun."
Forschung: Lee Hartmann und Nuria Calvet, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; und andere
Veröffentlichung in Astrophysical Journal Letters
WWW:
Young Stars Group, CfA
Spitzer
Circumstellar Disks
Der Stoff, aus dem Planeten sind
Staubige Spuren eines Planetensystems
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