21.7.2005, 8:53 Uhr
Veränderte Genaktivität bei Erschöpfungssyndrom

Einen Ansatzpunkt zum Verständnis des chronischen Erschöpfungssyndroms glauben britische Mediziner gefunden zu haben. Bei einer kleinen Studie entdeckten die Forscher unterschiedliche Muster der Genaktivität in weißen Blutkörperchen, berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe.

Allein in Deutschland weist schätzungsweise eine Viertelmillion Menschen das chronische Erschöpfungssyndrom auf. Die Betroffenen leiden vor allem unter einer lähmenden geistigen und körperlichen Mattigkeit, die sie beruflich wie auch im Privatleben stark beeinträchtigt. Die Ursachen der Erkrankung sind unklar. Laut Jonathan Kerr vom Imperial College London bekräftigen die neuen Resultate jedoch frühere Hinweise, denen zufolge das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt.

Kerr und seine Kollegen verglichen die Genaktivität in den Leukozyten von 25 gesunden Personen und von 25 Patienten mit dem Erschöpfungssyndrom. Wie die Forscher im "Journal of Clinical Pathology" berichten, wurden 35 von 9.522 betrachteten Genen in den beiden Gruppen unterschiedlich stark abgelesen. Die Überprüfung der Resultate mit einer besonders empfindlichen Methode bestätigte, dass 15 Gene in den Leukozyten der Patienten bis zu viermal aktiver waren, eines dagegen weniger aktiv.

Mehrere dieser Gene seien an der Bereitstellung von Stoffwechselenergie durch die Mitochondrien beteiligt, so Kerr gegenüber dem Magazin. Eines davon, der eukaryotische Translationsinitiationsfaktor 4G1 (eIF4G1), werde wiederum von mehreren Viren zur Beeinflussung des Zellstoffwechsel missbraucht. In früheren Studien hatten der Forscher und seine Arbeitsgruppe zeigen können, dass eine antivirale Therapie zumindest bei einigen Patienten eine Besserung der Erschöpfungssymptome herbeiführt. Diesen und andere Zusammenhänge überprüfen sie nun durch eine groß angelegte Studie mit 1.000 Personen und anhand von 47.000 Genprodukten.


Forschung: Jonathan R. Kerr, National Heart and Lung Institute, Faculty of Medicine, Imperial College London; und andere

Veröffentlichung in Journal of Clinical Pathology, Vol. 58, pp 826-32

WWW:
New Scientist
Chronisches Erschöpfungssyndrom
Bundesverband Chronisches Erschöpfungssyndrom
Genetische "Norm" analysiert

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