11.10.2005, 18:19 Uhr
Neue Belege für kleine Menschenart
Neue Überreste von Zwergmenschen haben australische und indonesische Anthropologen auf der Insel Flores entdeckt. Die Funde rechtfertigten nicht nur die Beschreibung einer eigenständigen Menschenart, schreiben die Forscher im Magazin "Nature". Sie zeigten auch, dass Individuen dieser Art noch vor 12.000 Jahren gelebt hätten - lange nach dem Verschwinden der Neandertaler.
Vor knapp einem Jahr hatten Peter Brown von der University of New England in Armidale, New South Wales, und seine Kollegen die ersten Überreste der kleinen Menschen präsentiert. Die Knochen, darunter ein vollständig erhaltener Schädel samt Unterkiefer, stammten überwiegend von einem Individuum, das mit gut einem Meter Körpergröße bereits ausgewachsen war.
Foto: Peter Brown
Während die Gruppe ihre Funde der neuen Art Homo floresiensis zuschrieb, vermuteten andere Forscher, die Überreste stammten entweder von Pygmäen oder aber von einem Menschen mit der Wachstumsstörung Mikrozephalie. Nun fanden Brown und Kollegen am gleichen Ort weitere Knochen von insgesamt neun Individuen mit ähnlich zwergenhafter Statur. Ihrer Ansicht nach widerspricht bereits diese Zahl der Annahme einer Wachstumsstörung - im Einklang mit der Analyse eines virtuellen Schädelausgusses.
Weitere Belege liefere vor allem ein neu entdeckter Unterkiefer, der praktisch identisch mit dem früher gefundenen sei. Beiden fehle ein Kinn, wie es moderne Menschen mit Mikrozephalie dagegen besäßen. Auch die neuen Arm- und Beinknochen stimmten mit ihren früher entdeckten Pendants überein. Weitere Funde sind Steinwerkzeuge, durch Hitze veränderte Steine und Knochen von Zwergelefanten, imposanten Komodowaranen, Ratten und Fledermäusen. Laut Brown und Kollegen bestätigen sie, dass der Floresmensch trotz kleinem Hirn über einiges Geschick verfügte und auch das Feuer nutzte.
Unklar ist die Stellung der neuen Art im Stammbaum des Menschen. Hatten die Forscher anfangs noch vermutet, Homo floresiensis könnte ein später Abkömmling des Homo erectus sein, zeigt die Analyse der neuen Funde zahlreiche Unterschiede zwischen den beiden Arten. Möglicherweise stamme der Floresmensch von einer älteren, primitiveren Art ab, vermutet Daniel Lieberman von der Harvard University in einem Kommentar. In jedem Fall seien die Funde "nicht nur erstaunlich, sondern aufgrund der zahlreichen, durch sie aufgeworfenen Fragen auch aufregend".
Forschung: Mike J. Morwood und Peter Brown, Archaeology & Palaeoanthropology, School of Human & Environmental Studies, University of New England, Armidale, New South Wales; Jatmiko und Thomas Sutinka, Indonesian Centre for Archaeology, Jakarta; und andere
Veröffentlichung in Nature, Vol. 437, 13. Oktober 2005, pp 1012-7
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