21.10.2005, 11:56 Uhr
Mögliche Planetenentstehung bei Braunen Zwergen

Planeten scheinen nicht nur bei hell leuchtenden Sternen zu entstehen, sondern auch bei deren weniger strahlenden Vettern. Entsprechende Resultate präsentiert eine internationale Astronomengruppe im Magazin "Science". Ihren Beobachtungen zufolge, bilden sich zumindest die mineralischen Bausteine für künftige Planeten auch in der Umgebung Brauner Zwerge.

"Dies zeigt uns, dass die ersten Schritte der Planetenentstehung robuster sind als bislang angenommen", erklärt Dániel Apai von der University of Arizona in Tucson. Astronomen gehen davon aus, dass Planeten entstehen, indem das Material in der Gas- und Staubscheibe um einen jungen Stern regelrecht verklumpt. Am Anfang steht dabei die Bildung feiner Kristallkörnchen aus miteinander kollidierenden Staubteilchen.

Illustration: Grünliche Kristallkörnchen in der Umgebung eines Sterns

Illustration: NASA/JPL-Caltech

Hinweise auf solche Kristallkörnchen fanden Apai und seine Kollegen, darunter auch Forscher des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Astronomie, bei Braunen Zwergen in einem Sternentstehungsgebiet im Sternbild des Chamäleons. Diese Objekte besitzen zu wenig Masse, um in ihrem Inneren die Kernfusion zünden zu können, und verglimmen daher allmählich. Doch auch in der relativ kühlen Umgebung dieser Beinahe-Sterne scheinen Silikat-Kristallkörnchen zu wachsen, zeigten die Infrarotbeobachtungen mit dem Weltraumteleskop Spitzer.

Nicht-kristallines Silikat im interstellaren Medium liefert ein Infrarotspektrum mit einem sanften Maximum bei etwa 9,8 Mikrometern Wellenlänge. Auch einer der beobachteten Braunen Zwerge weist ein solches Spektrum auf, berichten Apai und Kollegen. Bei den übrigen fünf wird dieses Maximum jedoch immer stärker durch zwei Maxima bei 9,3 und 11,3 Mikrometern ersetzt, wie sie kristallinem Silikat entsprechen. Offenbar sei die Kristallisation des anfangs ungeordneten Materials bei diesen Objekten unterschiedlich weit fortgeschritten. Zudem scheinen ihre anfangs relativ "aufgeblähten" Staubscheiben mit der Zeit immer schmaler zu werden - ein weiterer Hinweis auf Anfänge einer Planetenentstehung.

Grafik: Spektren von amorphem und kristallinen Silikat sowie von einigen der Braunen Zwerge

Infrarotspektren von amorphem (oben) und kristallinem (unten) Silikat, dazwischen die Spektren von vier der Braunen Zwerge. Bild: NASA/JPL-Caltech/D. Apai


Forschung: Dániel Apai und Ilaria Pascucci, Steward Observatory, University of Arizona, Tucson, und NASA Astrobiology Institute; Cornelis P. Dullemond, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; und andere

Vorab-Veröffentlichung Science Express,

WWW:
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Circumstellar Disks
Spitzer
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