14.10.2005, 11:42 Uhr
Sternentstehung nahe Schwarzem Loch

Das Zentrum unserer Milchstraße beherbergt ein Schwarzes Loch von etwa drei Millionen Sonnenmassen. Selbst in unmittelbarer Nähe dieser Schwerkraftfalle können neue Sterne entstehen, hat ein deutsch-englisches Forscherduo entdeckt. Ausgerechnet die von dem Schwarzen Loch angezogenen Gasmassen scheinen dessen Schwerkraft zu kontern, sodass sich Sterne von beachtlicher Masse bilden können.

"Massereiche Schwarze Löcher bringt man sonst eher mit Gewalt und Zerstörung in Verbindung", so Sergei Nayakshin von der University of Leicester. "Umso bemerkenswerter ist es, dass dieses Schwarze Loch bei der Entstehung neuer Sterne geholfen hat, statt sie lediglich zu vernichten." Nayakshin und sein Kollege Rashid Sunyaev vom Garchinger Max-Planck-Institut für Astrophysik präsentieren ihre Resultate demnächst in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society".

Chandra-Aufnahme der Region um Sgr A*

Chandra-Aufnahme der Region um Sgr A*. Bild: NASA/CXC/MIT/F.K.Baganoff et al.

Mit Hilfe des Weltraumteleskops Chandra analysierten Nayakshin und Sunyaev die Röntgenstrahlung aus dem Milchstraßenzentrum, gut 26.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild des Schützen (Sagittarius) liegend und markiert durch die Radioquelle Sgr A*. Aus dem Vergleich mit dem Orionnebel mit seinen Tausenden jungen Sternen schlossen sie, dass die Region um Sgr* etwa 10.000 Sterne niedriger Masse enthält. Wären die Sterne fernab des Schwarzen Lochs entstanden und erst nachträglich an ihren heutigen Standort gelangt, würde man dagegen hundertmal mehr solcher Leichtgewichte erwarten.

Allerdings sollte das enorme Schwerkraftgefälle in der Nähe eines Schwarzen Lochs jegliche Gaswolken zerreißen, bevor diese zu neuen Sternen kondensieren können. Laut Nayakshin und Sunyaev sprechen ihre Beobachtungen für die Annahme, dass die Schwerkraft der dichten Gasscheibe um das Schwarze Loch diesen Effekt kompensieren kann, sodass reichlich Zeit für die Sternentstehung bleibt. "Es war theoretisch vorhergesagt worden, dass so etwas möglich ist", so Nayakshin, "aber dies sind die ersten stichhaltigen Beweise. Viele Kollegen werden ganz schön überrascht sein."

Illustration: Sterne in der Gasscheibe um ein Schwarzes Loch

Sterne in der Gasscheibe um ein Schwarzes Loch. Illustration: NASA/CXC/M.Weiss


Forschung: Sergei Nayakshin und Rashid Sunyaev, Department of Physics and Astronomy, University of Leicester, und Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Monthy Notices of the Royal Astronomical Society

WWW:
Theoretical Astrophysics Group, Leicester
MPI für Astrophysik
Black Holes
Chandra
Astronomen finden Sternenscheibe um Schwarzes Loch
Sterne am Abgrund
Beobachtet: Stern von Schwarzem Loch zerrissen

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