13.10.2005, 20:02 Uhr
Halb Räuber, halb Pflanze

Ein von japanischen Biologen entdeckter Einzeller ist auf dem besten Weg, seine räuberische Lebensweise gegen die Nutzung von Solarenergie einzutauschen. Wie die Forscher im Magazin "Science" berichten, scheint sich das Geißeltierchen eine einzellige Alge als Mitbewohner zuzulegen. Wie bei frisch zusammengezogenen Paaren üblich, lässt die Abstimmung aber noch zu wünschen übrig.

Noriko Okamoto und Isao Inouye von der Universität Tsukuba entdeckten den "Hatena" getauften Organismus an einem Meeresstrand. Ihrer Ansicht nach repräsentiert er "ein frühes Stadium in der Entwicklung einer sekundären Endosymbiose". Bei dieser Art von Symbiose beherbergen beide Partner bereits andere Organismen - in diesem Falle die auf Bakterien zurückgehenden Mitochondrien von Geißeltierchen und Alge und der Chloroplast der Alge.

Foto: Hatena, vor und während einer Teilung

Hatena vor und während einer Teilung. Bild: Copyright Science

Dass Geißeltierchen und Alge noch nicht lange zusammenleben, zeigt sich am deutlichsten bei der Teilung von Hatena: Die Alge teilt sich nicht synchron mit ihrem Wirt, sodass nur eine Tochterzelle einen Partner besitzt. Diese farblose Tochterzelle beginnt ein räuberisches Leben, bis sie eine passende Alge verschluckt, jedoch nicht verdaut. Damit gehen bei beiden Partnern deutliche Veränderungen einher, fanden die Forscher.

Während die frei lebenden Algenzellen der Art Nephroselmis lediglich 10 Mikrometer (Tausendstel Millimeter) groß werden, wachsen sie im Innern von Hatena auf die zehnfache Größe heran und verlieren den Großteil ihrer inneren Zellstrukturen. Auch verlagert sich ihr aus Carotinoiden bestehender Augenfleck derart, dass er nahe den Geißeln des Wirts zu liegen kommt. Dieser wiederum gibt seinen "Fressapparat" auf, sobald er den Photosynthese betreibenden Mitbewohner gefunden hat.

Grafik: Lebenszyklus von Hatena, separate Wege für Tochterzellen mit und ohne Symbionten

Im Lebenszyklus von Hatena gibt es zwei getrennte Wege für Tochterzellen mit und ohne Algen-Symbionten. Bild: Copyright Science


Forschung: Noriko Okamoto und Isao Inouye, Graduate School of Life and Environmental Sciences, University of Tsukuba

Veröffentlicht in Science, Vol. 310, 14. Oktober 2005, p 287

WWW:
Homepage Isao Inouye
Endosymbiosis and The Origin of Eukaryotes

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