19.10.2005, 12:04 Uhr
Arktische Seen reagieren auf Erwärmung
Der Klimawandel macht sich auch weitab der Zivilisation bemerkbar. Kanadische und amerikanische Forscher haben entdeckt, dass die Chlorophyll-Menge in Seen am nördlichen Polarkreis seit Beginn des Industriezeitalters merklich gestiegen ist. Offenbar begünstigen die wärmeren Temperaturen Wachstum und Vermehrung einzelliger Algen, dem "Treibstoff" der Seeökosysteme.
"Eine erhöhte aquatische Produktivität als Folge der Klimaerwärmung wurde bereits vor vielen Jahren vorhergesagt, bislang jedoch niemals nachgewiesen", erläutert Neil Michelutti von der University of Alberta in Edmonton. Die neuen Resultate seien daher keine wirkliche Überraschung gewesen. "Geschwindigkeit und Größenordnung der von uns festgestellten Veränderungen sind jedoch alarmierend."
Michelutti und seine Kollegen studierten sechs Seen auf der kanadischen Baffin-Insel. Mit Hilfe der Reflexionsspektroskopie bestimmten die Forscher die Konzentration von Chlorophyll a im über Jahrtausende abgelagerten Sediment der Seen. Mit Hilfe dieses Photosynthese-Pigments überführen Pflanzen, Algen und Bakterien die Energie des Sonnenlichts in chemische Energie, die sie wiederum zur Fixierung von Kohlendioxid in Zuckern nutzen.
Seit etwa 150 Jahren steigt die Konzentration des Pigments im Sediment stark an, berichten die Forscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters". In den Jahrtausenden davor sei sie dagegen auf konstant niedrigem Niveau gewesen. Da die Einzeller an der Basis der See-Nahrungsnetze ständen, stelle ihr Chlorophyll a einen guten Indikator für die Gesamtproduktivität der dortigen Lebensgemeinschaften dar, erklärt Michelutti. "Betrachtet man diese Seen als frühe Indikatoren des Wandels, so zeigen sie uns, dass die jüngste, teils auf den Menschen zurückgehende Erwärmung bereits begonnen hat, die Funktion ganzer Ökosysteme auf dramatische Weise zu verändern."
Forschung: Neal Michelutti, Alexander P. Wolfe und Benoit Rivard, Department of Earth and Atmospheric Sciences, University of Alberta, Edmonton, Alberta; und andere
Veröffentlicht in Geophysical Research Letters, Vol. 32, L19715, DOI 10.1029/2005GL023693
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Inuit veränderten See-Ökosystem
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