17.10.2005, 18:52 Uhr
Eiszeiten entvölkerten antarktischen Meeresgrund

Die Eiszeiten haben nicht nur an Land ihre Spuren hinterlassen. Das Sinken des Meeresspiegels und durch den Meeresboden pflügende Eismassen machten der Fauna im Südpolarmeer ganz besonders zu schaffen. Zu diesem Schluss kommen britische Forscher im Fachblatt "Trends in Ecology & Evolution".

"Bislang ging man davon aus, dass die zerstörerische Wirkung der Eismassen nicht ausreichte, die Fauna vollständig auszulöschen, und dass leer gefegte Flächen aus umliegenden Regionen erneut kolonisiert wurden", erläutert Claus-Dieter Hillenbrand vom British Antarctic Survey in Cambridge. "Unsere Forschungen zeigen jedoch, dass die Vernichtung umfassend war und kaum etwas überlebte." Die Evolutionsgeschichte der Antarktis müsse daher neu überdacht werden.

Hillenbrand und sein Institutskollege Rob Larter sowie Sven Thatje vom National Oceanography Centre in Southampton studierten Schwämme, Stachelhäuter und andere Wirbellose des antarktischen Kontinentalschelfs. Dass diese Tiere nur selten im offenen Wasser lebende Larvenstadien besitzen, spricht nach Ansicht der Forscher für einschneidende Veränderungen als Folge der Eiszeiten. Angesichts ins Meer gleitender Eisberge, wahrer Sedimentlawinen und Nahrungsmangels scheine die Abwanderung in die Tiefsee die einzige Rettung gewesen zu sein. Von dort aus sei der Kontinentalschelf in wärmeren Phasen aufs Neue besiedelt worden.

Diese Leistung sei umso bemerkenswerter, als die Tiere aufgrund der extremen Kälte nur langsam reagieren könnten, so Hillenbrand. "Sie weisen niedrige Stoffwechselraten und als Folge niedrige Wachstums- und Reproduktionsraten auf." Werde ein Seestern andernorts zehn Jahre alt und pflanze sich einmal im Jahr fort, könne er im Südpolarmeer 100 Jahre alt werden und nur einmal pro Jahrzehnt für Nachwuchs sorgen. "Das bedeutet, dass die Erholung der gesamten Lebensgemeinschaft Jahrhunderte dauern kann." Genetische Studien sollen nun klären helfen, welche Verbindungen zwischen den "Heimkehrern" und ihren Vettern in der Tiefsee bestehen.


Forschung: Sven Thatje, National Oceanography Centre, University of Southampton; Claus-Dieter Hillenbrand und Rob Larter, Geological Sciences Division, British Antarctic Survey, Cambridge

Veröffentlicht in Trends in Ecology & Evolution, Vol. 20(10), pp 534-40, DOI 10.1016/j.tree.2005.07.010

WWW:
British Antarctic Survey
National Oceanography Centre
Schelfmeere

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.