22.8.2006, 14:13 Uhr
An der kurzen Leine des Nikotins
Nicht ohne Grund können Raucher nur schlecht von ihrer Droge lassen. Amerikanische Forscher haben ermittelt, dass Raucher extrem schnell Entzugserscheinungen entwickeln: Schon eine halbe Stunde nach der letzten Zigarette stellen sich erste psychische und körperliche Veränderungen ein, berichten sie im Fachblatt "Psychopharmacology".
Zwar seien die Raucher nach einer halben Stunde noch weit entfernt von den Entzugserscheinungen, wie sie sich nach einem ganzen Tag ohne Nikotin einstellten, erklärt Thomas Brandon von der University of South Florida. "Doch schon jetzt bemerken sie, dass sie sich etwas komisch fühlen und dass eine Zigarette vorübergehend Erleichterung bringen würde."
Nikotin gilt als Droge mit einer der höchsten Rückfallquoten überhaupt. Um mehr über die Ursachen zu erfahren, studierten Brandon und Kollegen 50 starke Raucher. Eine Hälfte davon durfte weiter nach Belieben rauchen, die andere musste vier Stunden lang abstinent bleiben. Alle halbe Stunde absolvierten die Teilnehmer eine Reihe von psychologischen Tests.
Schon bei der ersten Befragung verspürten die abstinenten Raucher ein deutlich stärkeres Verlangen nach einer Zigarette, nach einer weiteren halben Stunde waren sie deutlich gereizter und aggressiver. Im Laufe der nächsten zwei Stunden kamen Traurigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten hinzu und der Puls verlangsamte sich.
Diese Resultate passten zu der Beobachtung, dass nikotinsüchtige Raucher typischerweise alle 40 Minuten - sobald das Nikotin von der vorherigen Zigarette aus dem Hirn eliminiert worden sei - zur nächsten Zigarette griffen, erläutert Brandon. Zwar könnten Nikotinkaugummis und -pflaster die Abstände zwischen den Zigaretten strecken helfen, so der Forscher. Die neuen Resultate seien jedoch "ein weiterer guter Grund, das Rauchen gänzlich aufzugeben und das Leben ohne die tägliche Last des Nikotinentzugs zu genießen".
Forschung: Peter S. Hendricks und Thomas H. Brandon, Department of Psychology und Tobacco Research & Intervention Program, Moffitt Cancer Center & Research Institute, University of South Florida, Tampa; und andere
Veröffentlichung Psychopharmacology, Vol. 187(3), pp 385-96, DOI 10.1007/s00213-006-0429-9
WWW:
Department of Psychology, University of South Florida
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