2.8.2006, 7:18 Uhr
Kleines Hirn, leichte Beute
Die Bedrohung durch Raubtiere hat vielleicht dazu beigetragen, dass das Gehirn auf einigen Ästen des Tierstammbaums immer größer und komplexer wurde. Entsprechende Resultate präsentiert ein schottisches Forscherduo im Fachblatt "Biology Letters". Schimpansen und Leoparden erlegen Beutearten mit kleineren Hirnen demnach deutlich öfter als solche mit größeren Hirnen.
Beutetiere mit großen Hirnen entkämen ihren Fressfeinden möglicherweise öfter, weil sie ihr Verhalten besser an die jeweilige Situation anpassen könnten, schreiben Susanne Shultz und Robin Dunbar von der University of Liverpool. "Unsere Resultate sprechen daher für die Hypothese, dass die Evolution der Gehirngröße durch die Selektion hin zu ausgefeilteren und flexibleren Anti-Räuber-Strategien angetrieben werden könnte."
Shultz und Dunbar analysierten Daten über Leoparden und Schimpansen und ihre Beutearten in fünf Waldgebieten in Afrika und Südamerika. Dabei fanden sie, dass die Speisepläne der Katzen und Affen nicht die Verhältnisse in den jeweiligen Lebensräumen widerspiegelten: Beutearten, die kleinere Gehirne als Arten mit einer ähnlichen Körpergröße aufwiesen, enden deutlich häufiger in den Mägen der Räuber.
Umgekehrt sinkt die Wahrscheinlichkeit, dieses Schicksal zu erleiden, mit steigender Körpergröße der Beutearten. Und im Falle der Leoparden spielt es auch eine Rolle, ob die potenzielle Beute sich bevorzugt am Erdboden oder im Astwerk der Bäume aufhält.
Über die Gehirngröße könnten Räuber weit reichenden Einfluss auf die Evolution ihrer Beute haben, vermuten Shultz und Dunbar. Indem das Gehirn wachse, könnte die größere geistige Kapazität die Entwicklung komplexerer sozialer Abwehrstrategien erlauben, etwa das Leben in größeren bzw. enger geknüpften Gruppen. "Dies könnte wiederum als positiver Feedback-Mechanismus fungieren, der eine rasante Koevulation von Gehirn- und Gruppengröße antreibt."
Forschung: Susanne Shultz und Robert I.M. Dunbar, School of Biological Sciences, Liverpool University
Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2006.0519
WWW:
Dunbar Research Group
- Lucy to Language
Brains on the Web
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Affen warnen mit Syntax
Fledermäuse werfen Hirn-Ballast ab
| [Zurück] | |

