16.6.2006, 14:07 Uhr
Körperliche Verfassung beeinflusst Wahrnehmung
Nicht nur Schönheit, auch Mühseligkeit und Gefahr liegen im Auge des Betrachters. Das belegen die Experimente eines amerikanischen Psychologen. Je nach ihrem momentanen körperlichem Zustand nehmen Menschen einen Hang demnach als unterschiedlich steil wahr.
Offenbar werde die Sicht der Welt von einer Abwägung zwischen Nutzen und Kosten einer Handlung beeinflusst, folgert Dennis Proffitt von der University of Virginia. Das Gehirn verzerre die Wahrnehmung, um die Energiereserven des Körpers zu schonen und das Verletzungsrisiko zu senken, schreibt der Forscher im Fachblatt "Perspectives on Psychological Science".
Proffitt ließ seine Versuchsteilnehmer die Steilheit von Hügeln abschätzen. Standen die Probanden am Fuß eines Hügels und hatten sie gerade einen anstrengenden Lauf hinter sich gebracht, schätzen sie die Hangneigung steiler ein als vor dem Lauf. Eine ähnliche Überschätzung stellte sich ein, wenn die Probanden einen schweren Rucksack trugen oder aus anderen Gründen etwas wackelig auf den Beinen waren.
In einem weiteren Versuch schauten die Teilnehmer von der Spitze eines Hügels den Hang hinab. Standen sie dabei auf einem Skateboard, schätzen sie den Hang wiederum steiler ein als jene, die auf festem Boden standen. Laut Proffitt zeigen diese Resultate, dass die Wahrnehmung der Welt nicht allein von optischer und okulomotorischer Information abhängt, "sondern auch von den jeweiligen Absichten, vom physiologischen Zustand und von Emotionen".
Forschung: Dennis R. Proffitt, Department of Psychology, University of Virginia, Charlottesville
Veröffentlichung Perspectives on Psychological Science, Vol. 1(2), pp 110-22
WWW:
Proffitt Perception Lab
Multimodale Wahrnehmung und sensomotorische Integration
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