22.9.2006, 12:40 Uhr
Kreiselstern verliert Hüftspeck

Wenn Sterne sich allzu rasch um die eigene Achse drehen, katapultieren sie einen Teil ihres eigenen "Hüftspecks" ins All. Für dieses Szenario sprechen neue Beobachtungen eines europäischen Astronomenteams. Sobald das Material eine Scheibe um den stellaren Kreisel gebildet hat, scheint es nur noch den Gesetzen der Schwerkraft zu gehorchen.

Anthony Meilland und Philippe Stee vom Observatoire de la Côte d'Azur in Nizza und ihre Kollegen schließen dies aus der Geschwindigkeit des Scheibenmaterials. Zumindest im Falle des Sterns Alpha Arae kreist es umso langsamer, je weiter es von dem Stern entfernt ist - ähnlich den Planeten im Sonnensystem. Wäre es zusätzlich im Griff eines starken stellaren Magnetfelds, sollte man eine gleichmäßigere Rotation erwarten, so die Forscher. Ihre Resultate präsentieren sie demnächst im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics".

Grafik: Alpha Arae in seiner Scheibe: Kleiner weißer Lichtpunkt, umgeben von einer allmählich ins Rötliche übergehenden Wolke

So könnten sich Alpha Arae und die ihn umgebende Scheibe einem Beobachter präsentieren. Grafik: Anthony Meilland (Observatoire de la Côte d'Azur, France)

Bereits vor 140 Jahren war der erste Vertreter einer Klasse sehr heißer Sterne entdeckt worden, deren Lichtspektrum auf energetisch angeregtes Material in der Umgebung schließen lässt. Meilland, Stee und Kollegen nutzten nun das Very Large Telescope Interferometer der Europäischen Südsternwarte in Chile, um mit Alpha Arae den nächstgelegenen Vertreter dieser Be-Sterne zu beobachten: Der Stern ist etwa 300 Lichtjahre von der Erde entfernt, fünfmal größer als die Sonne und von einer Scheibe heißen Materials umgeben.

Tatsächlich könnte diese Scheibe auf die rasche Eigenrotation des Sterns zurückgehen, lassen die Beobachtungen und Modellrechnungen der Forscher vermuten. Alpha Arae dreht sich demnach mit einer Äquatorgeschwindigkeit von 470 Kilometern pro Sekunde. Diese Geschwindigkeit liege hart an jenem Wert, ab dem die Zentrifugalkraft Material aus dem Stern reißen würde, erläutert Stee. "Die beinahe kritische Rotation könnte der Schlüssel zu dem 'Be-Phänomen' sein. Sie könnte genügend Energie liefern, um Material abzulösen und die zirkumstellare Scheibe zu erzeugen."


Forschung: Anthony Meilland, Philippe Stee und Alain Spang, Observatoire de la Côte d'Azur, Nizza; Martin Vannier, European Southern Observatory, Cerro Paranal, Chile; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, DOI 10.1051/0004-6361:20064848; Preprint astro-ph/0606404

WWW:
Observatoire de la Côte d'Azur
Homepage Philippe Stee
- Active Hot Stars
Very Large Telescope Interferometer

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Astronomen finden "verlängerten" Stern

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