1.9.2006, 8:11 Uhr
Kleine Krabbler helfen beim Moos-Sex

Die fruchtbare Beziehung zwischen Pflanzen und Gliederfüßern könnte sehr viel älter sein als bislang vermutet. Schwedische und bulgarische Forscher haben entdeckt, dass im Boden lebende Springschwänze und Milben die männlichen Geschlechtszellen von Moosen ans Ziel bringen.

Die Beziehung zwischen den sprichwörtlichen Blumen und Bienen werde auf ein Alter von höchstens 140 Millionen Jahren geschätzt, schreiben Nils Cronberg von der Universität Lund und seine Kolleginnen im Magazin "Science". Die Moose und ihre Helfershelfer gehörten jedoch zu Organismengruppen, die sich kurz nach dem Landgang des Lebens vor mindestens 440 Millionen Jahren entwickelt hätten.

Makro-Aufnahme: Springschwanz (dunkles, flügelloses und etwas plump wirkendes Insekt) an Moos

Kleine Arthropoden wie dieser Springschwanz (Isotoma caerulea) tragen Moos-Spermatozoiden von Pflanze zu Pflanze. Bild: Copyright Science

Cronberg und Kolleginnen studierten mit dem Silbermoos (Bryum argenteum) ein häufig vorkommendes Laubmoos. Die männlichen Pflänzchen bilden begeißelte Geschlechtszellen. Um zu einem weiblichen Pendant schwimmen zu können, sind diese Spermatozoide auf einen durchgehenden Wasserfilm angewiesen. Bei den Versuchen kam es jedoch auch dann zur Befruchtung, wenn männliche und weibliche Pflänzchen durch mehrere Zentimeter trockenen Gipses voneinander getrennt waren. Einzige Voraussetzung war, dass die Forscher Springschwänze (Collembola) oder Hornmilben (Oribatidae) zu den Pflänzchen gesetzt hatten.

"Wie genau der Transport stattfindet, ist eine noch offene Frage", schreiben die Forscher, "vermutlich heften sich die Spermatozoiden irgendwie an die Cuticula der Gliederfüßer." Und offenbar bewegten sich die kleinen Krabbler nicht rein zufällig zwischen den Pflänzchen: Bei den Versuchen hätten sie fruchtbaren Moospflänzchen eindeutig den Vorzug vor sterilen gegeben. Der Grund dafür könnte sein, dass erstere nicht nur nahrhafte Saccharose, sondern auch Stärke, Fettsäuren und Schleim produzierten.


Forschung: Nils Cronberg, Rayna Natcheva und Katarina Hedlund, Department of Ecology, Lund University, und Bulgarian Academy of Sciences, Sofia

Veröffentlichung Science, Vol. 313, 1. September 2006, p 1255, DOI 10.1126/science.1128707

WWW:
Plant Ecology and Systematics, Lund
Moose
Springschwänze
Hornmilben

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