23.6.2006, 7:53 Uhr
Sichere Autos, unvorsichtige Fahrer

Wer einen besonders sicheren PKW fährt, geht mehr Risiken im Straßenverkehr ein. Für diese Theorie sprechen die Beobachtungen einer britisch-australischen Forschergruppe. Fahrer von Allradfahrzeugen legen sehr viel häufiger keinen Sicherheitsgurt an und telefonieren während der Fahrt häufiger als Fahrer von weniger aufwändigen Wagen.

Dieses Resultat stehe im Einklang mit der Hypothese der Risiko-Kompensation, schreiben die Forscher um Lesley Walker vom Imperial College London im "British Medical Journal". Demnach suchen Autofahrer stets ihre persönliche Balance zwischen dem Unfallrisiko und der Intensität des Fahrerlebnisses. Für diese Hypothese spreche auch die Tatsache, dass die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Fußgänger und Zweiradfahrer nach Einführung der Gurtpflicht deutlich gestiegen sei.

Walker und Kollegen führten ihre Beobachtungen an drei Straßen im Großraum London durch. Dabei registrierten sie morgens, mittags und abends jeweils eine Stunde lang, ob die Fahrer den Gurt angelegt hatten bzw. telefonierten. Insgesamt kamen so verwertbare Daten über gut 41.000 PKW zusammen, darunter etwa 3.000 Allradfahrzeuge.

Insgesamt hielt sich jeder sechste Fahrer nicht an die Gurtpflicht und jeder vierzigste nutzte während der Fahrt sein Mobiltelefon - auch nach dem Verbot des Telefonierens am Steuer. Fahrer von allradgetriebenen Wagen fuhren fast 300 Prozent häufiger ohne Gurt und telefonierten etwa 25 Prozent häufiger. Diese Resultate seien "aus Sicht der öffentlichen Gesundheit sehr besorgniserregend", so Walker und Kollegen.


Forschung: Lesley Walker und Jonathan Williams, Department of Primary Care and Social Medicine, Imperial College, London; Konrad Jamrozik, School of Population Health, University of Queensland, Herston

Online-Veröffentlichung British Medical Journal, DOI 10.1136/bmj.38848.627731.2F

WWW:
Primary Care and Social Medicine, Imperial College
Risk Compensation
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