4.1.2006, 19:49 Uhr
Charon: Der Schatten des Fährmanns

In den frostigen Außenbezirken des Sonnensystems zieht ein ungleiches Gespann seine Bahn: Anders als der Planet Pluto, besitzt sein Begleiter Charon keine nennenswerte Atmosphäre. Zu diesem Schluss kommen zwei internationale Arbeitsgruppen im Magazin "Nature". Die Forscher hatten beobachtet, wie im letzten Sommer ein Stern schlagartig verschwand und wieder auftauchte, indem Charon vor ihm herzog.

Bruno Sicardy vom Observatoire de Paris und seine Kollegen hatten gleich drei Teleskope in Chile und Argentinien genutzt, um das seltene Ereignis am 11. Juli 2005 im Detail verfolgen zu können. Aus den jeweils beobachteten Verdunkelungsdauern berechnen sie für Charon - erst 1978 entdeckt und nach dem Fährmann über den Totenfluss der griechischen Mythologie benannt - einen Radius von 603 Kilometern.

Illustration: Pluto, Charon, die Sonne als ferner Lichtpunkt

Illustration: Copyright ESO

Charon ist damit etwa halb so groß wie Pluto. Und auch in ihrer Dichte scheinen sich die beiden Eiswelten deutlich zu unterscheiden, schreiben die Forscher. Ersterer dürfte es auf etwa 1,7 Tonnen pro Kubikmeter bringen, entsprechend der 1,7fachen Dichte von Wassereis, letzterer könnte dagegen bis zu 2,1 Tonnen pro Kubikmeter erreichen. Zu ähnlichen Resultaten kommt die Gruppe um Amanda Gulbis und James Elliot vom Massachusetts Institute of Technology.

Das Licht des fernen Sterns wurde beim Vorbeizug Charons nur minimal gebrochen, berichten die Forscher. Sollte Charon eine Stickstoff- oder sogar eine Methan-Atmosphäre besitzen, müsste diese viele Millionen Mal dünner sein als die Atmosphäre der Erde und gut einhundertmal dünner als die des Pluto. "Vergleichen wir Pluto und Charon, scheinen wir die Grenze zwischen Körpern mit einer fest gebundenen Atmosphäre und solchen ohne Gashülle zu überschreiten", so Sicardys Kollege Olivier Hainaut von der Europäischen Südsternwarte.

Charon entstand möglicherweise bei der Kollision eines anderen Objekts mit Pluto - auf ähnliche Weise ist vermutlich auch die Erde zu ihrem Mond gekommen. Neue Erkenntnisse über das ungleiche Gespann und seine Herkunft erhoffen sich die Forscher von der NASA-Mission "New Horizons". Mehrfach von Budgetkürzungen und Sicherheitsproblemen in einem Kernforschungsinstitut bedroht, soll die Sonde am 17. Januar diesen Jahres starten und Mitte 2015 bei Pluto und Charon ankommen.


Forschung: Bruno Sicardy, Aurelie Bellucci und Eric Gendron, Observatoire de Paris; Olivier Hainaut, European Southern Observatory, Santiago, Chile; Wolfgang Beisker und Evi Hummel, International Occultation Timing Association, European Section, Hannover; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 439, 5. Januar 2006, pp 48-51 und 52-4, DOI 10.1038/nature04276 und 10.1038/nature04351

WWW:
Observatoire de Paris
- Charon Occultation
Pluto
New Horizons
Zwei mögliche Plutomonde entdeckt
Plutomond blendet Stern aus

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