5.1.2006, 20:02 Uhr
Riesenstern nährt kosmisches Leuchtfeuer

Der Tanz eines aufgeblähten Sterns scheint eine extrem helle Strahlungsquelle in einer fernen Galaxie anzutreiben. Darauf deuten Beobachtungen hin, die eine amerikanische Astronomengruppe im Magazin "Science" vorstellt. Der Riesenstern umkreist demnach ein Schwarzes Loch, das laufend Materie von ihm abzieht. Bei ihrem Sturz heizt sich diese auf und sendet intensive Röntgenstrahlung aus.

Nach Ansicht von Philip Kaaret von der University of Iowa, Iowa City, liefern die Beobachtungen auch neue Belege für die Existenz von Schwarzen Löchern der "Mittelklasse". Diese Objekte bringen es auf einige Hundert bis Zehntausend Sonnenmassen. Damit sind sie zwar deutlich massereicher als stellare Schwarze Löcher, die beim Kollaps eines ausgebrannten Sterns entstehen. Geradezu zwergenhaft erscheinen sie allerdings im Vergleich mit supermassiven Schwarzen Löchern in Galaxienkernen.

Aufnahme im Röntgenlicht: Das relativ dunkle Zentrum von M82, in seiner Nähe hell leuchtende Strahlungsquellen

Das Zentrum von M82 (grünes Kreuz) und in seiner Nähe gelegene Strahlungsquellen auf einer Aufnahme des Röntgenteleskops Chandra. Bild: NASA/SAO/CXC

Die von Kaaret und seinen Kolleginnen Melanie Simet und Cornelia Lang studierte Röntgenquelle liegt in der Galaxie M82, gut 12 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Mit Hilfe des Satelliten Rossi X-ray Timing Explorer ermittelte die Gruppe, dass die Röntgenhelligkeit der Strahlungsquelle im Takt von 62 Tagen variiert. Dieser Wert lasse sich am ehesten mit dem Umlauf eines Sterns erklären, so das Trio. Dabei müsse es sich um einen Riesenstern oder sogar um einen Überriesen handeln - einen Stern, der sich gegen Ende seines Lebens extrem aufgebläht hat.

Dabei sind seine äußeren Schichten dem Schwarzen Loch derart nahe gekommen, dass sie von diesem förmlich aufgesaugt werden. Auf diese Weise könnte der Riese pro Jahr bis zu einem Zehntausendstel der Sonnenmasse verlieren, schätzen Kaaret und seine Kolleginnen. Die dabei freigesetzte Energie reiche aus, um die enorme Leuchtkraft der Röntgenquelle zu erklären.


Forschung: Philip Kaaret, Melanie G. Simet und Cornelia C. Lang, Department of Physics and Astronomy, University of Iowa, Iowa City

Vorab-Veröffentlichung Science Express, 5. Januar 2006, DOI 10.1126/science.1121067

WWW:
Astronomy, University of Iowa
Rossix X-ray Timing Explorer
M82

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