9.1.2006, 19:43 Uhr
Schlafmangel stört "Selbstverjüngung" des Gehirns

Wer nicht genug Schlaf bekommt, ist unkonzentriert und kann sich neue Information nur schlecht merken. Die Ursache könnte eine gestörte "Selbstverjüngung" des Gehirns sein, haben eine amerikanische Neurowissenschaftlerin und ihre Kollegen ermittelt. Bei Ratten verhindert Schlafmangel demnach, dass nach einem Training der räumlichen Erinnerung neue Nervenzellen gebildet werden.

"Schlaf ist wichtig für die generelle Gesundheit, aber nun scheint es so, als benötige das Gehirn Schlaf dringender als jedes andere Organ des Körpers", erklärt Ilana Hairston von der kalifornischen Stanford University und der University of California in Berkeley. Die Forscherin und ihre Kollegen präsentierten ihre Ergebnisse kürzlich im "Journal of Neurophysiology".

Die Gruppe trainierte Ratten darauf, in einem Wasserbecken zu einer Plattform unterhalb der Wasseroberfläche zu schwimmen. Dabei konnten sich die Tiere nur an auffälligen Merkmalen im Labor orientieren. Indem das räumliche Erinnerungsvermögen gefordert wurde, stieg die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus, einer für Lernprozesse kritischen Gehirnstruktur. Das galt allerdings nur für Tiere, die zwischen den einzelnen Trainingstagen zwölf Stunden Ruhe halten konnten. Bekamen sie nur sechs Stunden Schlaf, blieb der Effekt auf die Neurogenese aus - und damit auch ein Teil des Lernerfolgs.

Umgekehrt schnitten Ratten mit Schlafmangel bei den Tests besser ab, wenn die Plattform gut sichtbar und sogar mit Zitronenduft markiert war. Der Grund für dieses verblüffende Resultate könnte sein, dass diese Tiere ihre Strategie wechselten, spekuliert Hairston. Vielleicht hätten diese Ratten gar nicht erst versucht, ihr angeschlagenes Erinnerungsvermögen zu bemühen, sondern nur noch die offenkundigen Hinweise zum Auffinden der Plattform genutzt.


Forschung: Ilana S. Hairston, Milton T.M. Little und H. Craig Heller, Psychology Department, University of California, Berkeley, und Department of Biological Sciences, Stanford University, Kalifornien; und andere

Veröffentlicht in Journal of Neurophysiology, Vol. 94, pp 4224-33, DOI 10.1152/jn.00218.2005

WWW:
Psychological Disorders and Sleep Research Group, Berkeley
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