3.1.2006, 7:55 Uhr
Haariger Elefanten-Fahrtenschreiber

Haare taugen nicht nur zum Nachweis von Drogen, sondern auch als Fahrtenschreiber für Elefanten. Das berichtet eine internationale Forschergruppe in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Anhand der Haare vom Hinterteil der Dickhäuter lassen sich demnach die Wechsel von Trocken- und Regenzeit nachvollziehen - und sogar potenziell tödliche Abstecher in Felder.

"Die drängende Frage ist, wie wir das künftige Überleben der Elefanten sichern können, obgleich die Schutzgebiete bekanntermaßen zu klein sind", erklärt Iain Douglas-Hamilton von der Save The Elephants Foundation in Nairobi. "Da Elefanten einerseits Raum zum Umherstreifen benötigen und andererseits die menschliche Bevölkerung in ihrem Lebensraum wächst, sind Konflikte unvermeidlich." Die neue Methode helfe, das Verhalten der Tiere zu verstehen und die Schutzmaßnahmen entsprechend zu planen.

Foto: Ausgewachsener Elefant und Jungtier

Foto: Courtesy of George Wittemyer

Douglas-Hamilton und seine Kollegen studierten Schwanzhaare von sieben Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana). Die Tiere waren im kenianischen Samburu-Nationalpark mit Kragen versehen worden, die per Globalem Positionierungssystem (GPS) stündlich ihre Position registrierten.

Sechs Elefanten blieben demnach die gesamte Beobachtungszeit über in dem Schutzgebiet. Dort fraßen sie während der Trockenzeit überwiegend an Bäumen und Sträuchern, belegten das relativ hohe Verhältnis der Stickstoff-Isotope N-15 und N-14 und das niedrige Verhältnis der Kohlenstoff-Isotope C-13 und C-12 in ihren Haaren. Lediglich in den Regenphasen stieg das Verhältnis der Kohlenstoff-Isotope, indem die Tiere sich an dem üppig sprießenden Gras gütlich taten.

Anders ein alter Elefantenbulle: Den GPS-Daten zufolge, suchte das "Lewis" getaufte Tier in den Trockenzeiten ein 40 Kilometer entferntes Gebiet mit relativ feuchtem Klima auf, wo auch Feldfrüchte wie Mais angebaut werden. Dieses reichhaltige Angebot wusste der Bulle offenbar zu schätzen: Das Kohlenstoff-Isotopenverhältnis in seinem Haar stieg während der Abstecher sprunghaft an.

Dieses Verhalten könnte dem Tier letztlich zum Verhängnis geworden sein, so Douglas-Hamilton. Nach Beendigung der Studie seien Lewis mehrere Schusswunden beigebracht worden - sehr wahrscheinlich von Landwirten, die um ihre Ernte fürchteten. Kurze Zeit später, nach seiner Rückkehr in den Nationalpark, sei der Bulle gestorben.


Forschung: Thure E. Cerling, Department of Geology and Geophysics und Department of Biology, University of Utah, Salt Lake City; Iain Douglas-Hamilton, Save The Elephants Foundation, Nairobi; und andere

Vorab-Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.0509606102

WWW:
Save The Elephants Foundation
Homepage Thure Cerling
Samburu - The Heart of Kenya
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