6.1.2006, 14:01 Uhr
Yellowstone: Freispruch für Wölfe

In den letzten zehn Jahren ist der Hirschbestand im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark um beinahe die Hälfte geschrumpft. Die zeitgleich wiederangesiedelten Wölfe haben jedoch kaum zu dieser Entwicklung beigetragen, sind US-Biologen überzeugt. Ihren Modellrechnungen zufolge, lässt sich der Rückgang allein durch trockene Witterung und menschliche Jäger erklären.

"Es braucht keine Wölfe, um den Bestandeseinbruch zu verstehen", erklärt John Vucetich von der Michigan Technological University in Houghton. Die neuen Resultate zufolge, handle es sich um eine rein zufällige Koinzidenz. Zudem wären die von Wölfen getöteten Hirsche aufgrund schlechten Allgemeinzustands, hohen Alters oder Krankheiten wenig später ohnehin gestorben.

Foto: Hirschbulle vor Bergkulisse

Foto: MichiganTech

Vucetich und Kollegen suchten, die Veränderung des Hirschbestandes im Norden des Nationalparks mit verschiedenen Computermodellen nachzuvollziehen. Die besten Resultate erzielten sie mit einem Modell, das den Vorjahrsbestand, die Abschussquote sowie die Schnee- bzw. Niederschlagsmengen als Eingangsvariablen nutzte. Dieses Modell konnte die Schwankungen der Jahre 1961 bis 1995, dem Jahr der Wiederansiedlung des Wolfs, zu 64 Prozent erklären. Für die Jahre 1995 bis 2004 sagte es einen Rückgang um rund 48 Prozent voraus, tatsächlich sank die Zahl der Hirsche in diesem Zeitraum um 48 Prozent von knapp 17.000 auf unter 8.500.

Der Einfluss von Wölfen auf ihre Beute gehöre zu den umstrittensten Aspekten bei der Wiederansiedlung, erklärt Douglas Smith, der Leiter der Wolfprojekts im Yellowstone-Nationalpark. Die neue Studie zeige, "dass die Wölfe in den ersten zehn Jahren keinen dramatischen Einfluss auf die Zahl der Hirsche hatten". Künftig könne dies durchaus der Fall sein, ergänzt Vucetich, in jedem Fall jedoch könnten sie mit den Hirschen koexistieren. Daher gelte es, die Freizeitjäger und den von ihnen lebenden Tourismus zum Nutzen aller Beteiligten in das Beziehungsgeflecht zu integrieren.


Forschung: John A. Vucetich, School of Forest Resources and Environmental Science, Michigan Technological University, Houghton; Douglas W. Smith und Daniel R. Stahler, Yellowstone Center for Resources, National Park Service, Yellowstone National Park, Wyoming

Veröffentlicht in Oikos, Vol. 111(2), pp 259-70, DOI 10.1111/j.0030-1299.2005.14180.x

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