10.1.2006, 15:03 Uhr
Begleiter des Polarsterns abgelichtet

Der Polarstern steht nicht allein am Himmel, sondern hat gleich zwei Begleiter. Einer amerikanisch-italienischen Astronomengruppe ist es nun erstmals gelungen, alle Mitglieder dieses Dreifachsystems abzulichten. Ihre Beobachtungen sollen helfen, Entfernungen im Kosmos künftig noch genauer bestimmen zu können.

Der Polarstern (Polaris Aa) gehört zum Sternbild des Kleinen Bären und markiert den Nordpol des Himmelsgewölbes. Gut 430 Lichtjahre von der Erde entfernt, war einer seiner Begleiter, Polaris B, bereits früher gesichtet worden. Um auch den zweiten Begleiter erkennen zu können, mussten Nancy Evans vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, Massachusetts, das Weltraumteleskop Hubble bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit bringen.

Hubble-Aufnahme: Polaris A und B - Vergrößerung zeigt, dass A aus Aa und Ab besteht

Bild: NASA, ESA, N. Evans (Harvard Smithsonian/CfA), and H. Bond (STScI)

Einerseits ist dieser Begleiter namens Polaris Ab mit einem Abstand von rund 2,8 Milliarden Kilometern kaum weiter von Polaris Aa entfernt als Uranus von der Sonne. Andererseits wird er als eher durchschnittlicher Stern von dem Überriesen schlicht überstrahlt. "Mit Hubble konnten wir den Begleiter des Polarsterns jedoch ins rechte Licht rücken", formuliert Evans' Kollege Howard Bond vom Space Telescope Science Institute in Baltimore, Maryland. Die Resultate präsentiert die Gruppe jetzt auf der Tagung der American Astronomical Society in Washington.

Evans und Kollegen wollen das ungleiche Paar nun über längere Zeit beobachten, um mehr über den etwa 30 Jahre währenden Umlauf der beiden Sterne umeinander zu erfahren. Anhand ihres engen Tanzes sollte sich die Masse der beiden Sterne ermitteln lassen. Dies erscheint den Forschern umso wichtiger, als Polaris Aa zur Klasse der Cepheiden gehört - regelmäßig heller und dunkler werdenden Sternen, die Astronomen als Kilometersteine im All dienen. Eine Massenbestimmung an einem solchen Veränderlichen könnte helfen, die Physik dieser Objekte besser zu verstehen und die Cepheiden-Entfernungsskala genauer zu kalibrieren.


Forschung: Nancy R. Evans, Smithsonian Astrophysical Obesrvatory, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; Howard Bond, Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland; und andere
Präsentation auf dem 207th Meeting of the American Astronomical Society, Washington, D.C.; #11.04

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