15.12.2005, 12:54 Uhr
Napoléons Armee im Griff des Fiebers

Auf ihrem Rückzug aus Russland hatte die Armee Napoléons nicht nur unter Kosaken, Hunger und Kälte zu leiden. In den sterblichen Überresten der Soldaten haben französische und litauische Forscher das Erbgut zweier von Läusen übertragenen Krankheitserreger entdeckt. Ein großer Teil der französischen Soldaten wurde demnach von schwerem Fieber gebeutelt - und oft genug auch dahingerafft.

"Diese Erkrankungen könnten ein wichtiger Faktor bei dem französischen Rückzug aus Russland gewesen sein", schreiben die Forscher um Didier Raoult von der Université de la Méditerranée, Marseille, im "Journal of Infectious Diseases". Weitere Untersuchungen dieser Art könnten Historikern einen neuen Blick auf die Lebensumstände vergangener Zeiten eröffnen, glauben sie

Napoléon marschierte im Jahr 1812 mit schätzungsweise einer halben Million Soldaten in Russland ein. Am Ende des Feldzugs waren von der "Grande Armée" nur etwa 40.000 Mann übrig geblieben, die es mit Mühe und Not nach Polen schafften. Von den Strapazen auf ihrem Weg künden Massengräber mit Tausenden Skeletten, wie sie beispielsweise im litauischen Vilnius gefunden wurden.

Bei der Untersuchung von Aushub aus diesem Massengrab stießen Raoult und Kollegen auf Überreste von fünf Läusen. Drei Tiere enthielten DNA des Bakteriums Bartonella quintana, dem Erreger des Wolhynischen oder Fünftagefiebers - einer mit wiederholten Fieberschüben einhergehenden Krankheit. Tatsächlich fand sich die DNA des Erregers auch im Zahnmark von sieben der 35 untersuchten Skelette. Bei drei weiteren Individuen fand sich dagegen Erbgut von Rickettsia prowazakii, dem Erreger des häufig tödlich verlaufenden epidemischen Fleckfiebers.


Forschung: Didier Raoult, Olivier Dutour und Gérard Aboudharam, Unité des Rickettsies, CNRS-UMR 6020, und Unité d'Anthropologie, CNRS-UMR 6578, Faculté de Médecine, Université de la Méditerranée, Marseille; und andere

Vorab-Veröffentlichung Journal of Infectious Diseases, Vol. 193, Januar 2006, pp 112-20, DOI

WWW:
Unité de Rickettsies, Université de la Mediterranée
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Kleidung erst seit 70.000 Jahren

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