15.12.2005, 22:07 Uhr
Macht der Zufall Genome komplex?

Je weniger Eltern es bei einer Fischart gibt, desto größer und komplexer ist ihr Genom. Das berichtet ein amerikanisches Biologenduo im Fachblatt "Trends in Genetics". Nach Ansicht der Forscher stützen ihre Daten die Theorie, dass rein zufällige Effekte zur Entwicklung genetischer Komplexität beitragen können.

Diese Theorie war vor zwei Jahren aufgestellt worden, um zu erklären, dass größere Arten zu komplexeren, größeren Genomen tendieren. Sie geht davon aus, sich eher negativ wirkende Veränderungen wie Genverdopplungen oder die Einnistung von "parasitärer" DNA rein zufällig in einer Population festsetzen können - und das umso leichter, je weniger Individuen zur nächsten Generation beitragen. Damit sollte der Evolution wiederum mehr Ausgangsmaterial für Neuentwicklungen zur Verfügung stehen.

Soojin Yi und Todd Streelman vom Georgia Institute of Technology in Atlanta testeten diese Theorie nun am Beispiel der Strahlenflosser - den Knochenfischen mit Ausnahme von Quastenflossern und Lungenfischen. Die Analyse der Daten von 1.043 Arten ergab, dass Bewohner von Bächen, Flüssen und Seen mit ihren geringeren "effektiven Populationsgrößen" tatsächlich kleinere Genome besitzen als ihre Vettern im Meer.

Dieser Zusammenhang galt auch, nachdem die Forscher in Betracht gezogen hatten, wie gut der Genaustausch innerhalb der Populationen funktionierte. "Wir zeigen, dass am Anfang nicht etwa adaptive Mutationen stehen, sondern leicht negative, die das Genom größer machen", erläutert Yi. "In einem großen Genom gibt es jedoch mehr genetisches Material, aus dem etwas Nützliches entstehen kann."


Forschung: Soojin Yi und J. Todd Streelman, School of Biology, Georgia Institute of Technology, Atlanta

Veröffentlicht in Trends in Genetics, Vol. 21(12), pp 643-6, DOI 10.1016/j.tig.2005.09.003

WWW:
Biology, Georgia Institute of Technology
Population Size and Genetic Drift
A Quick Guide to Sequenced Genomes
Pinguine: Gene on the Rocks
Copy and Paste im Primatengenom
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