8.12.2005, 13:02 Uhr
"Vertrauenshormon" dämpft Angstzentrum
Die Verabreichung eines kleinen Eiweißes macht Menschen vertrauensselig. Auf welche Weise dieser verblüffende Effekt zustande kommt, haben nun deutsche und amerikanische Forscher ermittelt. Das "Vertrauenshormon" Oxytocin verhindert demnach die Aktivierung der für Angst und Misstrauen verantwortlichen Gehirnzentren, der Mandelkerne.
Die Forscher um Peter Kirsch von der Universität Gießen und Andreas Meyer-Lindenberg untersuchten, wie sich Oxytocin auf die Wirkung Furcht erregender Reize auswirkt. Das Peptid wird im Zwischenhirn produziert und war früher vor allem als Auslöser für Wehen und Milchfluss bekannt. Erst kürzlich hatten Schweizer Forscher entdeckt, dass ein Oxytocin-Nasenspray Menschen erstaunlich freigiebig macht, wenn es darum geht, anderen Geld zu leihen.
Bilder: NIMH Genes, Cognition, and Psychosis Program
Wie genau dies geschieht, untersuchten Kirsch und Kollegen nun mit Hilfe von 15 Freiwilligen. Diese bekamen Oxytocin oder ein Placebo in die Nase gesprüht und mussten sich dann mit Fotografien wütender oder ängstlicher Gesichter beschäftigen. Die gleichzeitige Kartierung ihrer Gehirnaktivität per Kernspintomographie ergab, dass dabei normalerweise die Mandelkerne (Amygdalae) und die Umschaltstationen für deren Signale im Gehirnstamm aktiv wurden. Unter Oxytocin-Einfluss blieb diese Aktivierung jedoch aus.
Frühere Studien hätten eine verstärkte Aktivierung der Mandelkerne mit sozialer Angst, einem genetischen Risiko für Angst und Depressionen und auch mit den Kontaktschwierigkeiten von Autisten in Verbindung gebracht, schreiben die Forscher. "Die zweifache Wirkungsweise des Oxytocin beim Menschen könnte daher einen wirkungsvollen Behandlungsansatz eröffnen", schließen sie.
Forschung: Peter Kirsch und Christine Esslinger, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Justus-Liebig-Universität Gießen; Andreas Meyer-Lindenberg, Genes, Cognition, and Psychosis Program, NIH-National Institut of Mental Health, Bethesda, Maryland; und andere
Veröffentlicht in Journal of Neuroscience, Vol. 25(49), pp 11489-93, DOI 10.1523/JNEUROSCI.3984-05.2005
WWW:
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Uni Gießen
Oxytocin - Das Molekül der Liebe
The Amygdala and Its Allies
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