16.12.2005, 16:58 Uhr
Fledermäuse tasten sich um die Kurve

Fledermäuse besitzen ein ausgefeiltes Echo-Ortungssystem. Die fliegenden Säuger erlauschen sich ihren Weg jedoch nicht nur, sie ertasten ihn sich auch, ist ein amerikanischer Biologe überzeugt. Unzählige Haare auf den Flügeln erkennen demnach Turbulenzen und helfen so bei der Stabilisierung der Fluglage.

Fledermäuse hätten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie Piloten, erläutert John Zook von der Ohio University in Athens. Zwar könne eine leichte Veränderung von Anstellwinkel oder Form des Flügels den Auftrieb verbessern. Übertreibe man es jedoch, reiße die gleichmäßige Luftströmung um den Flügel herum ab und Flattertier oder Flugzeug sänken wie ein Stein gen Boden. "Diese Rezeptoren geben den Fledermäusen laufend Rückmeldung über ihre Flügelstellung", so der Biologe.

Fotos eines Fledermausflügels, Lage und Nahaufnahme der Haarscheiben

Flügelunterseite von Antrozous pallidus mit zahlreichen Haarscheiben. Der Größenmaßstab in der Nahaufnahme entspricht 2 Millimetern. Fotos: John Zook

Zook studierte die Blasse und die Große Braune Fledermaus (Antrozous pallidus und Eptesicus fuscus). In beiden Fällen weist die Flügelhaut zahlreiche kleine Kuppen auf, in denen berührungsempfindliche Merkelzellen sitzen und aus denen je ein feines Haar ragt. Die zahlreichen Nerven in diesen Haarscheiben senden immer dann besonders starke Signale gen Hirn, wenn das Haar rasch hin und her bewegt wird, berichtete Zook kürzlich auf einer Fachtagung in Washington, D.C.

Tatsächlich scheinen diese "Tasthaare" den Fledermäusen als Turbulenzfühler zu dienen, fand der Biologe heraus. Bei seinen Versuchen konnten die Tiere zunächst problemlos um eine Ecke fliegen. Das änderte sich nach einer Behandlung mit Enthaarungscreme: Bei dem plötzlichen Richtungswechsel schmierten die Tiere nun regelrecht ab und hatten Mühe, sich wieder zu fangen. Indem die Haare nachwuchsen, stellten sich die alten Flugkünste jedoch wieder ein.


Forschung: John M. Zook, Department of Biological Sciences, Ohio University, Athens

Präsentation auf dem 35th Annual Meeting of the Society for Neuroscience, Washington

WWW:
Biological Sciences, Ohio University
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