16.12.2005, 11:41 Uhr
Mehr Söhne bei verzögerter Empfängnis
Muss sich ein Paar besonders lange um Nachwuchs bemühen, bekommt es mit erhöhter Wahrscheinlichkeit einen Sohn. Entsprechende Resultate präsentieren niederländische Forscher im "British Medical Journal". Die Ursache könnte in der unterschiedlichen Schwimmgeschwindigkeit von Spermien mit einem X- bzw. Y-Chromosom liegen.
Luc Smits und seine Kollegen von der Universität Maastricht analysierten Daten von 5.283 Frauen, die im Zeitraum Juli 2001 bis Juli 2003 ein Kind zur Welt gebracht hatten. Bei jenen, die länger als zwölf Monate versucht hatten, schwanger zu werden, betrug der Jungenanteil fast 58 Prozent. Bei jenen, die schneller schwanger geworden waren, lag der Anteil dagegen nur bei 51 Prozent.
Dieser Zusammenhang galt auch unter Berücksichtigung des Alters der Mutter, ihrer Leibesfülle, der Jahreszeit der Empfängnis und anderen Faktoren, schreiben die Forscher. Umgekehrt galt er nur für Frauen, die auf natürliche Art und Weise - ohne medizinische Unterstützung - schwanger geworden waren.
Frühere Experimente hätten gezeigt, dass Spermien mit dem "männlichen" Y-Chromosom in zähflüssigen Medien schneller schwimmen als solche mit dem "weiblichen" X-Chromosom, schreiben Smits und Kollegen. "Für eine natürliche Empfängnis müssen die Spermien den Schleim des Gebärmutterhalses durchdringen, dessen Viskosität von Frau zu Frau und mit der Zeit variiert." Daher sei besonders zäher Schleim möglicherweise ein Grund dafür, dass einige Paare länger bis zur Empfängnis brauchten - Spermien mit Y-Chromosom könnten dann im Vorteil sein.
Forschung: Luc J.M. Smits, Rob A. de Bie, Piet A. van den Brandt und Gerard G. Essed, Department of Epidemiology, Maastricht, und Department of Obstetrics and Gynecology, Maastricht University Hospital
Veröffentlicht in British Medical Journal, Vol. 331, 17. Dezember 2005, pp 1437-8
WWW:
Epidemiology, Maastricht University
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