27.10.2005, 20:06 Uhr
Was auf Europa zukommt

In Europa werden die Mittelmeer- und Gebirgsregionen in den kommenden Jahrzehnten besonders starke Veränderungen erfahren. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Arbeitsgruppe im Magazin "Science". Neben negativen Effekten wie Verlust an Artenvielfalt oder erhöhter Waldbrandgefahr gibt es jedoch auch Spielraum für positive Entwicklungen.

Um die Nutzung solcher Chancen und die praktische Anwendung ihrer Resultate zu erleichtern, blieb die Gruppe um Dagmar Schröter vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im steten Kontakt mit Experten aus Privatwirtschaft und öffentlichen Institutionen. "Wir wollten sicherstellen, dass die Nutzer unsere Methoden mitentwickeln können, damit unser Verständnis des Mensch-Umwelt-Systems, die untersuchten Problemfelder und die Ergebnispräsentation ihre Adressaten erreichen können", betont Schröter.

Für ihre Studie kombinierten Schröter und Kollegen mehrere sozio-ökonomische Szenarien mit unterschiedlichen Modellen der globalen Zirkulation, um daraus Vorhersagen über die Landnutzung und letztlich auch ökologische Veränderungen im 21. Jahrhundert abzuleiten. Bevölkerungswachstum und Klimawandel könnten demnach dazu führen, dass im Jahr 2080 bis zu 38 Prozent der Bevölkerung am Mittelmeer in Wasserknappheit leben.

Verstärkt werden dürfte dieses Problem noch, indem mehr landwirtschaftliche Fläche bewässert und mehr Wasser für den Tourismus aufgebracht werden muss. Andernorts, etwa entlang von Rhein, Rhône und Donau, könnte es dagegen häufiger zu Überschwemmungen kommen, indem der Schnee früher und schneller schmilzt oder gar nicht erst liegen bleibt. Wintersportorte könnten so ihre Haupteinnahmequelle verlieren, während die geringere Wasserführung der Flüsse im Sommer Schifffahrt und Kraftwerke beeinträchtigen könnte.

Gerade für den Mittelmeerraum und die Gebirge befürchtet die Arbeitsgruppe einen starken Artenschwund um bis zu 58 Prozent. Indem beispielsweise die Korkeiche und andere typische Bäume der Mittelmeerregionen rar werden, gehe nicht nur ein Stück Kultur verloren, auch die Holzproduktion sinke. Die für Bäume günstigeren Bedingungen im nördlichen Europa könnten den Verlust an Waldfläche dagegen mehr als kompensieren, so Schröter und Kollegen. Auch könnte die für den Anbau von "Energiepflanzen" geeignete Fläche in nördlichen Breiten um bis zu ein Drittel wachsen.


Forschung: Dagmar Schröter und Wolfgang Cramer, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Potsdam; Rik Leemans, Environmental System Analysis Group, Wageningen University, Wageningen; und andere

Vorab-Veröffentlichung Science Express, 27. Oktober 2005, DOI 10.1126/science.1115233

WWW:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
- Advanced Terrestrial Ecosystem Analysis and Modelling
Intergovernmental Panel on Climate Change
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