28.10.2005, 13:13 Uhr
Kohl kann vor Lungenkrebs schützen
Je nach genetischer Ausstattung eines Individuums, kann der regelmäßige Verzehr von Broccoli und Co. auch vor Lungenkrebs schützen. Entsprechende Resultate präsentiert eine europäische Forschergruppe im Fachblatt "The Lancet". Werden bestimmte Inhaltsstoffe des Gemüses im Körper nur langsam abgebaut, sinkt das Erkrankungsrisiko demnach um gut ein Drittel.
Rosenkohl und andere Kreuzblütler (Brassicaceae oder Cruciferae) verdanken ihr Aroma unter anderem Abwehrstoffen aus der Gruppe der Isothiocyanate. Studien an Tieren hätten bereits auf einen Schutzeffekt dieser Senföl-Verbindungen hingewiesen, schreiben die Mediziner um Paul Brennan von der International Agency for Research on Cancer, Lyon. Ein ähnlicher Effekt beim Menschen sei bislang jedoch nicht eindeutig belegt - möglicherweise, weil andere Faktoren wie etwa der genetische Hintergrund der Studienteilnehmer nicht berücksichtigt worden seien.
Brennan und Kollegen verglichen nun Lebensweise und Ernährungsgewohnheiten von 2.141 Lungenkrebspatienten und 2.168 nicht Erkrankten in sechs mittel- und osteuropäischen Ländern. Unter anderem registrierten sie, wie häufig die Teilnehmer Kohl oder Rosenkohl bzw. Broccoli aßen. Zudem ermittelten sie, ob diese funktionstüchtige Versionen der Enzyme GSTM1 und GSTT1 besaßen - zweier zur Beseitigung von Isothiocyanaten aus dem Körper beitragenden Glutathion-S-Transferasen.
Tatsächlich fanden die Forscher nun einen merklichen Effekt: Ist eines der beiden Enzyme nicht funktionstüchtig und steht mindestens einmal wöchentlich Kohlgemüse auf dem Speisezettel, sinkt das Lungenkrebsrisiko um gut 33 Prozent. Sind beide Enzyme inaktiv, sinkt das Risiko sogar um 72 Prozent. Laut Brennen und Kollegen "erscheint es damit denkbar, dass Kreuzblütlergemüse im Allgemeinen und Isothiocyanate im Speziellen einen bedeutenden chemoprotektiven Effekt gegen Lungenkrebs besitzen".
Forschung: Paul Brennan, Charles C. Hsu und Federico Canzian, Genetic Epidemiology Group, International Agency for Research on Cancer, Lyon; und andere
Veröffentlicht in The Lancet, Vol. 366, 29. Oktober 2005, pp 1558-60
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International Agency for Research on Cancer
Brassicaceae
Isothiocyanates
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