1.11.2005, 16:36 Uhr
Mehr "Wildnis" gegen resistente Bakterien

Krankenhäuser haben mit Bakterien zu kämpfen, die gegen die meisten Antibiotika resistent sind. Gegen derartige Keime hilft nur eine Rückbesinnung auf die bakterielle Ökologie, ist ein britischer Mediziner überzeugt. Allein durch weitestgehenden Verzicht auf Antibiotika einerseits und das Zulassen von Konkurrenz andererseits könne man den Spezialisten den Wind aus den Segeln nehmen.

Zu den gefürchteten Keimen gehören methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA), Abkömmlinge eines in der Umwelt und auf Haut und Schleimhäuten häufigen und dort meist unproblematischen Bakteriums. Gelangt es über Wunden oder mit Kathetern und Kanülen in den Blutstrom, kann es jedoch lebensbedrohliche Infektionen verursachen.

"Obwohl MRSA seit 40 Jahren vorkommen, gibt es kaum Hinweise darauf, dass sie sich in der Allgemeinbevölkerung festsetzen", erläutert Mark Spigelman vom University College London. Mit ihrem hochgezüchteten Resistenzapparat könnten die Keime sich offenbar nur in der Krankenhausumwelt gegen ihre Konkurrenz durchsetzen. Ein verstärkter Einsatz von Bakteriziden verschärfe das Problem daher nur, schreibt der Mediziner in den "Annals of The Royal College of Surgeons of England".

Nach Ansicht Spigelmans gibt es nur eine Strategie, den Siegeszug der MRSA aufzuhalten: Krankenhäuser müssten zu einer antibiotikafreien Umgebung werden, in der der Überlebensvorteil der resistenten Keime verschwinde. Sollte ein Patient tatsächlich Antibiotika benötigen, müsse er dazu in spezielle, strikt isolierte Kliniken überführt werden. Gleichzeitig könne man harmlosen Konkurrenten von MRSA gezielt den Weg ebnen, so der Mediziner. Statt sich etwa vor einer Operation die mikrobielle Flora von der Haut zu schrubben, könnte man sie mit einer Lösung ungefährlicher Mikroben behandeln und so die Ansiedlung von MRSA von vornherein unterbinden.


Forschung: Mark Spigelman, Centre for Infectious Diseases and International Health, Windeyer Institute of Medical Sciences, University College London

Veröffentlicht in Annals of The Royal College of Surgeons of England, Vol. 87(5), pp 452-3, DOI 10.1308/003588405X60650

WWW:
Centre for Infectious Diseases and International Health, UCL
MRSA
Bakterien in goldener Rüstung

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