2.11.2005, 18:41 Uhr
Schwere Geburt für Schwarze Löcher

Sterne können am Ende ihres Lebens sehr viel mehr Masse ins All schleudern als gemeinhin angenommen. Eine internationale Astronomengruppe hat einen Neutronenstern entdeckt, der offenbar auf einen Stern mit über 40 Sonnenmassen zurückgeht. Bei dieser Ausgangsmasse hätte eigentlich ein Schwarzes Loch zurückbleiben sollen.

Offenbar habe der Vorläuferstern vor oder während seines Kollapses jedoch über 95 Prozent seiner Masse abgestoßen, sodass die Schwerkraft seiner Überreste letztlich nur für einen Neutronenstern gereicht habe, erläutert Michael Muno von der University of California in Los Angeles. Der Forscher und seine Kollegen haben ihre Resultate zur Veröffentlichung beim Fachblatt "Astrophysical Journal Letters" eingereicht.

Westerlund1, Chandra-Aufnahme zeigt einen 'glimmenden' Nebel mit zahlreichen hellen Röntgenquellen; Einschub: optische Aufnahme

Westerlund 1, gesehen von Chandra und im optischen Bereich (Einschub). Bilder: NASA/CXC/UCLA/M.Muno et al.

Die Gruppe nutzte das Weltraumteleskop Chandra, um den jungen Sternhaufen Westerlund 1 bei Röntgenwellenlängen zu beobachten. In dieser kaum 30 Lichtjahre messenden Milchstraßenregion drängen sich zahlreiche massereiche Sterne, die nahezu zeitgleich vor etwa vier Millionen Jahren entstanden sein dürften. Trotz dieser kurzen Zeitspanne scheint das Objekt mit der Bezeichnung CXO J164710.2–455216 sein reguläres Sternendasein bereits hinter sich gebracht zu haben, fanden Muno und Kollegen. Seine regelmäßigen Röntgenpulse identifizieren das Objekt als Pulsar - einen rasch rotierenden Neutronenstern.

Sterne entwickeln sich und verbrennen ihren Brennstoff umso rascher, je mehr Masse sie besitzen. Einige der Sterne in Westerlund 1 scheinen es auf beachtliche 37 Sonnenmassen zu bringen. Das jetzt entdeckte Objekt müsse jedoch auf einen Stern mit noch mehr Masse zurückgehen, der seine Entwicklung bereits durchlaufen habe, so Muno und Kollegen. Dass dieser Gigant nicht zu einem Schwarzen Loch kollabiert sei, lasse sich nur dadurch erklären, dass er den Großteil seiner Masse wieder verloren habe. "Das bedeutet, dass gewaltige Mengen schwerer Elemente erneut für die Entstehung anderer Sterne oder Planeten zur Verfügung stehen", erläutert Munos Kollege Simon Clark von der Open University im englischen Milton Keynes.


Forschung: Michael P. Muno, Division of Astronomy and Astrophysics, University of California, Los Angeles; Farhad Yusef-Zadeh, Department of Physics and Astronomy, Northwestern University, Evanston, Illinois; und andere

Eingereicht bei Astrophysical Journal Letters, Preprint astro-ph/0509408

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