23.1.2006, 17:59 Uhr
Potenzmittel lässt Sehsinn erschlaffen
Der Wirkstoff des Potenzmittels Viagra entspannt nicht nur die Blutgefäße, sondern auch die Augen. Das berichtet eine englische Forschergruppe im Fachblatt "Current Biology". Die Substanz senkt vorübergehend die Reaktionszeit der Lichtsinneszellen, sodass flackernde Lichter eher als gleichmäßig leuchtend wahrgenommen werden.
Planmäßiger Angriffspunkt des Viagra-Wirkstoffs Sildenafilcitrat ist die Phosphodiesterase-5 (PDE5). Das Enzym reguliert die Spannung der Gefäßmuskulatur und damit den Blutfluss. Ein ganz ähnliches Enzym findet sich allerdings in der Netzhaut des Auges. Diese Phosphodiesterase-6 (PDE6) kontrolliere letztlich jene Zeitspanne, über die visuelle Reize verschmelzen, schreibt die Gruppe um Andrew Stockman vom University College London.
Tatsächlich bleibt Sildenafilcitrat nicht ohne Effekt auf den Sehsinn, zeigten die Selbstversuche der Forscherinnen und Forscher. Nachdem sie eine kräftige Dosis von 100 Milligramm genommen hatten, wurde ihre visuelle Wahrnehmung regelrecht träge: Einerseits sank die Flimmerfusionsfrequenz, ab der ein Flimmern wie ein gleichmäßiges Leuchten erscheint. Andererseits musste der Hell-Dunkel-Wechsel bei gegebener Frequenz stärker sein, um als Flimmern wahrgenommen zu werden.
Auf Basis der Messdaten schätzt die Gruppe, dass der Wirkstoff die Integrationszeit der Netzhaut vorübergehend von 6,9 auf 12,6 Millisekunden erhöhte. Auf diese Weise "störte er die Fähigkeit des Auges, sich an unterschiedliche Lichtbedingungen anzupassen und seine Empfindlichkeit zu regulieren".
Forschung: Andrew Stockman, Lindsay T. Sharpe und Glen Jeffery, Institute of Ophthalmology, University College London; und andere
Veröffentlichung Current Biology, Vol. 16(2), R44-R45, DOI 10.1016/j.cub.2006.01.016
WWW:
Colour & Vision Research Laboratories, UCL
Signalverarbeitung in der Netzhaut
The Joy of Visual Perception
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