25.1.2006, 11:38 Uhr
Dinosaurier-Kamm keine Riechhilfe

Der auffällige Knochenkamm einiger Dinosaurier hatte nichts mit einem besonders feinen Riechsinn zu tun. Zu diesem Schluss kommt ein kanadischer Forscher im Fachblatt "Palaeobiology". Zwar bildeten sich in den Kämmen der Lambeosaurier lang geschwungene Nasenhöhlen, die eigentlichen Riech- bzw. Nervenzellen blieben jedoch an ihrem angestammten Platz.

Offenbar habe sich das Gehirn der Lambeosaurier kaum von dem ihrer kammlosen Vorfahren unterschieden, erklärt David Evans von der University of Toronto in Mississauga. "Die primäre Riechregion lag direkt vor den Augen - zufälligerweise genau dort, wo sie auch bei Vögeln, Krokodilen, Säugern und praktisch allen Vierbeinern liegt."

Lambeosaurier lebten gegen Ende der Kreidezeit vor 85 bis 65 Millionen Jahren. Anhand gut erhaltener Fossilien konstruierte Evans den ersten Schädelausguss der Pflanzenfresser, um mehr über die Funktion ihres Knochenkamms zu erfahren. In der Vergangenheit war spekuliert worden, die langen Nasenhöhlen in dem Kamm hätten eine Rolle im Riechsinn gespielt. Der Hirnschädel lieferte jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass die Nerven sich ebenfalls in den Kamm erstreckten, berichtet der Paläontologe.

Mitunter war spekuliert worden, der Knochenkamm könne als Lufterwärmer oder sogar als Schnorchel fungiert haben. Evans hält dagegen eine Funktion bei der innerartlichen Kommunikation für wahrscheinlich: Vielleicht habe der hohle Knochenkamm als Resonanzkörper fungiert und den Tieren die Produktion besonders weit tragender Töne erlaubt. Vielleicht habe er aber auch nur als visuelles Merkmal gedient.


Forschung: David Evans, Department of Zoology, University of Toronto, Mississauga, Ontario

Veröffentlicht in Palaeobiology, Vol. 32(1), pp 109-25

WWW:
Vertebrate Palaeontology, University of Toronto
The "duck-billed" dinosaurs
Schädelskelett eines Lambeosauriers
Dinosaurier.org
- Sensationsfund: Hadrosaurier mit Haut und Muskeln

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