24.11.2005, 19:51 Uhr
Polyphenole: Weißwein wird "paradox"
Weißwein kann sich ähnlich positiv auf die Blutgefäße auswirken wie Rotwein, haben französische und brasilianische Forscher entdeckt. Wird Weißwein derart hergestellt, dass er ebenso viele Polyphenole enthält wie sein roter Vetter, kann er zumindest bei Hamstern die Entstehung von Atherosklerose bremsen.
Während zur Herstellung von Rotwein der Beerensaft zusammen mit den Schalen vergoren wird, kommt beim Weißwein nur der Saft zum Einsatz. Aus diesem Grund fehlen Weißwein auch die phenolischen Gerbstoffe, die für das "französische Paradoxon" verantwortlich gemacht werden - die Tatsache, dass in Südeuropa Atherosklerose relativ selten ist, obwohl dort fettreich gegessen und viel Rotwein getrunken wird.
Um die Gerbstoff-Hypothese zu testen, hatten die Forscher um Jean-Max Rouanet von der Université de Montpellier II bereits vor einiger Zeit begonnen, ihren eigenen Wein zu keltern. Dabei handelt es sich um einen Chardonnay, der einige Zeit in Kontakt mit Beerenschalen und bei etwas höheren Temperaturen als üblich vergoren wird. Als Resultat enthält dieser "Paradoxe Blanc" insgesamt gut viermal mehr Polyphenole als typischer Chardonnay und kann in dieser Hinsicht mit Rotweinen mithalten.
Nun setzten die Forscher Hamster für zwölf Wochen auf eine extrem gefäßschädliche Kost und flößten ihnen täglich ihren Weißwein oder roten Sekt ein. Obwohl die beiden Weine sich im Gehalt einzelner Polyphenole deutlich unterscheiden, hatten sie ähnliche Effekte, berichten die Forscher im "Journal of Agricultural and Food Chemistry": Verglichen mit Kontrolltieren, die 12-prozentigen Alkohol oder Wasser erhalten hatten, wiesen die Tiere der Weingruppen unter anderem niedrigere Cholesterinspiegel auf, dafür enthielt ihr Blut mehr Vitamin A und andere antioxidativ wirkende Substanzen. Am Ende des Versuchs wiesen sie bis zu 89 Prozent weniger Fettablagerungen in der Hauptschlagader auf als die Kontrolltiere.
Forschung: Cyril Auger und Jean-Max Rouanet, Equipe d'Accueil 3762, Nutrition, Alimentation, Societé, Université de Montpellier II, Montpellier; und andere
Vorab-Veröffentlichung Journal of Agricultural and Food Chemistry, DOI 10.1021/jf050988m
WWW:
Université de Montpellier II
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