24.11.2005, 13:33 Uhr
Ameisen setzen Stoppzeichen

Ameisen markieren ihre Wege zwischen Futterquellen und Nest mit Duftstoffen. Dabei nutzen sie neben Gebots- auch Verbotssignale, berichtet eine englische Forschergruppe im Magazin "Nature". Zumindest Pharaoameisen setzen Stoppsignale am Anfang von Ameisenstraßen, die besser nicht benutzt werden sollten.

Elva Robinson und ihre Kollegen von der University of Sheffield sehen in diesem System "ein weiteres Beispiel für die ausgefeilten Kontrollmechanismen, die in selbstorganisierten Ameisenkolonien zum Einsatz kommen". Bislang waren lediglich attraktiv wirkende Wegmarkierungen bei Ameisen bekannt. Ob die Entdeckung des abschreckenden Signals zur Bekämpfung der als Schädling berüchtigten Pharaoameise (Monomorium pharaonis) genutzt werden kann, ist noch unklar.

Robinson und ihre Kollegen ließen die Ameisen eine Weggabelung aus Papierstreifen passieren, an der lediglich ein Ast zu einer Futterquelle führte. Dann konstruierten sie aus dem "nicht lohnenden" Papierstreifen und aus einem frischen Streifen eine neue Abzweigung. Kamen Ameisen an diese Weggabelung, entscheiden sich 71 Prozent von ihnen für den duftfreien Papierstreifen. Und hatten sie doch einen Fuß auf den scheinbar unattraktiven Weg gesetzt, machten sie mit viermal höherer Wahrscheinlichkeit auf der Stelle kehrt.

Das Stoppsignal scheint direkt hinter der Abzweigung eines nicht lohnenden Weges von einer Ameisenstraße gesetzt zu werden, fanden die Biologin und ihre Kollegen in weiteren Versuchen heraus. Offenbar liegt es in Form flüchtiger Substanzen vor, sodass es die Tiere wahrnehmen können, noch bevor sie den wenig ertragreichen Weg betreten. Aus welchen Verbindungen das Stoppsignal besteht und wie genau es wirkt, ist noch unbekannt.


Forschung: Elva J.H. Robinson, Duncan E. Jackson, Mike Holcombe und Francis L.W. Ratnieks, Laboratory of Apiculture and Social Insects, Department of Animal and Plant Sciences und Department of Computer Science, University of Sheffield

Veröffentlicht in Nature, Vol. 438, 24. November 2005, p 442, DOI 10.1038/438442a

WWW:
Apiculture and Social Insects Lab, U Sheffield
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