18.11.2005, 13:55 Uhr
Mediziner: Jeder dritte Krebstod vermeidbar
Ein beträchtlicher Anteil der Todesfälle durch Krebs ist vermeidbar, hat eine internationale Forschergruppe ermittelt. Ihrer Schätzung zufolge, vorgestellt im Fachblatt "The Lancet", gingen im Jahr 2001 2,43 von 7 Millionen tödlichen Krebserkrankungen auf ungesunde Verhaltensweisen bzw. Umwelteinflüsse zurück.
"Die primäre Vorbeugung durch Beeinflussung von Lebensweise und Umweltfaktoren bleibt der wichtigste Weg, die weltweite Krebslast zu reduzieren", erklärt Majid Ezzati von der Harvard University in Boston, Massachusetts. Dies gelte umso mehr, als der medizinische Fortschritt die Sterblichkeit von Krebspatienten weniger stark reduziert habe als beispielsweise die von Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen.
Ezzati und seine Kollegen analysierten Studien, Regierungsberichte und Datenbanken internationaler Organisationen zum Einfluss von neun Faktoren auf das Risiko, an einer von zwölf Krebsarten zu erkranken. Dann ermittelten sie, wie stark die Bevölkerung in verschiedenen Regionen der Welt diesen Risikofaktoren ausgesetzt ist, und schätzten den Anteil der darauf zurückführbaren Todesfälle durch Krebs.
Bei Männern und Frauen waren demnach 1,6 bzw. 0,8 Millionen Todesfälle durch Krebs vermeidbar, insgesamt 1,67 Millionen davon in Ländern mit mittlerem bzw. geringem Pro-Kopf-Einkommen. Den größten Beitrag leisteten in allen Ländern Rauchen und Alkoholkonsum. Die nächst bedeutenden Faktoren waren Übergewicht bzw. Fettleibigkeit in reichen Ländern, in ärmeren Ländern dagegen geringer Verzehr von Obst und Gemüse.
Besonders stark war der Einfluss grundsätzlich vermeidbarer Risikofaktoren beim Gebärmutterhalskrebs: Ezzati und Kollegen schätzen, dass praktisch alle resultierenden Todesfälle auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zurückgehen. Die weiteren berücksichtigten Risikofaktoren waren Heizen und Kochen mit festen Brennstoffen, Luftverschmutzung in Städten und Injektionen mit kontaminierten Spritzen.
Forschung: Goodarz Danaei und Majid Ezzati, Department of Population and International Health, Harvard School of Public Health, Harvard University, Boston, Masachusetts; Steohen Vander Hoorn, Clinical Trials Research Unit, University of Auckland, Auckland; und andere
Veröffentlichung in The Lancet, Vol. 366, 19. November 2005, pp 1784-93
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Homepage Majid Ezzati
WHO
- Global Burden of Disease
Krebsinformationsdienst, DKFZ Heidelberg
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